|
Der Autor
Giuseppe Tomasi di Lampedusa wurde am 23. Dezember 1896 in Palermo geboren.
Er stammt aus einer Familie deren Mitglieder Heilige, Kardinäle und
große Diplomatiker waren. Giuseppe war der einzige männliche
Nachkomme von Giulio Maria Tomasi, Enkel von Giulio Fabrizo di Lampedusa.
Sein Großvater, der von 1815 bis 1885 lebte und Astronom war, inspirierte
Tomasi für die Figur des Prinzen von Salina. Seine Mutter war Beatrice
Tasca e Filangeri di Cutò. Vom Vater erbte er auch den Titel Herzog
von Palma und Prinz von Lampedusa. Das Wappen der Familie wird von einem
Leoparden dargestellt. Man darf auch seinen Aristokratizismus nicht vergessen.
Er ist ein essentielles Element das dazu dient den Roman besser zu verstehen.
Tomasi verabscheute das Bürgertum und seine Tölpelhaftigkeit.
Giuseppe Tomasi di Lampedusa begann eine ziemlich brilliante schulische
Karriere. Seine Eltern sahen für ihn eine Zukunft als Diplomat vor.
Sein Vater brachte ihn von einem geisteswissenschaftlichen Studium ab
und bemühte ihn für ein juridisches Studium. Doch er schaffte
es nie das juridische Abschlußexamen zu machen, da er 1915 sein
Studium unterbrach um am ersten Weltkrieg teilzunehmen. Nach dem Krieg
blieb er als aktiver Offizier bis 1925 beim Heer.
Im gleichen Jahr lernte er in London seine zukünftige Frau kennen,
Alessandra Wolff-Stomersee, die er 1932 heiratete. Sie war die Tochter
von M. Teresa Alice Barbi, von italienischer Abstammung, und dem baltischen
Baron Boris Wolff. Alessandra, die Psychologie studiert hatte und viele
Sprachen konnte, überlebte ihren Ehemann und starb 1982.
1933 wurde das Erbe des Großvaters geteilt wobei Giuseppe Tomasi
nur der Palast im Zentrum von Palermo blieb.
Sieben Jahre später (1940) begann der zweite Weltkrieg in den er
als Artilleriehauptmann zog. In Ficarra besuchte er oft das "Lesezimmer".
Von Seinesgleichen wurde er als Beobachter beschrieben, der fast nie in
eine Konversation verwickelt war. Lampedusa und seine Ehefrau verliesen
Ficarra nach der Ankunft der alliierten Truppen und der Unterzeichnung
des Waffenstillstands am 8. September und kehrten Mitte Oktober nach Palermo
zurück. Die Zerstörung des Palastes der Lampedusa im Jahre 1943
war ein schwerer Schlag für den Schriftsteller. Bis zu seinem Tod
lebte er dann in einem alten Gebäude das schon seit langer Zeit der
Familie gehörte. Doch das neue Gebäude ersetzte nicht den heimatlichen
Palast wo er geboren wurde und zu sterben glaubte.
Im Sommer 1954 begleitete Lampedusa seinen Cousin Lucio Piccolo zum literarischen
Zusammentreffen von San Pellegrino Terme wo er einige Schriftsteller kennenlernte.
Der Zusammenstoß mit dieser neuen Welt stimuliert ihn und er begann
den seit Jahren geplanten Roman "Il Gattopardo" zu schreiben.
1956 wurde der Roman zur Lektüre zum Verleger Mondadori geschickt,
doch er wurde abgelehnt. Ein Jahr darauf (1957) wurde das Manuskript von
Elio Vittorini, Direktor des Verlagshauses Einaudi abgelehnt.
Am 23. Juli des gleichen Jahres starb Giuseppe Tomasi di Lampedusa an
Krebs in einer römischen Klinik.
Prolog
Der Roman "Il Gattopardo" wurde von Giuseppe Tomaso di Lampedusa
zwischen 1956 und 1957 geschrieben und ein Jahr nach seinem Tod, im
Jahre 1958, veröffentlicht.
Er begann den Roman wahrscheinlich im Juni 1955 und beendete die erste
Abfassung Ende 1956. Das Werk ist nicht zufällig entstanden, sondern
ist das Ergebnis einer Erfahrung, die das ganze Leben angehalten hatte.
Ursprünglich wollte der Autor den Tagesablauf eines sizilianischen
Prinzen im Jahre 1860 erzählen. Mit der Zeit beschloß Lampedusa
vierundzwanzig Stunden des Lebens seinen Urgroßvaters am Tag der
Landung der garibaldini zu erzählen. Allerding bemerkte der Schriftsteller,
daß die Organisation des Buches begrenzt sei und disponierte um
auf drei Etappen von je fünfundzwanzig Jahren: 1860, 1885 und 1910
.
Inhalt und Struktur
Inhalt
Im Mai 1860, nach der Landung der garibaldini auf Sizilien, erlebt Don
Fabrizio, Prinz von Salina, ein sehr kultivierter Aristokrat, das Ende
seines sozialen Status. Die Aristokratie erkennt, daß sich ihr
Ende nähert, da von der neuen politischen Situation eher die Verwalter
und Halbpächter profitieren. Don Fabrizio, einer Familie des alten
Adels angehörig, wird von seinem Neffen Tancredi, der in den Reihen
der garibaldini kämpft, unterstützt.
Auf einem Zusammentreffen mit der ganzen Familie in der Sommerresidenz
von Donnafugata, stößt er auf den neuen Bürgermeister
Don Calogero Sedara, ein Bürger mit niedrigen Ursprüngen,
der mit größerem Reichtum zu mehr Macht gekommen ist.
Tancredi, der ursprünglich für Concetta, die Tochter des Prinzen,
sympathisierte, richtet nun seine Aufmerksamkeit auf Angelica, die Tochter
von Don Calogero, die er später auch heiraten wird. Eine Liaison,
die zu früheren Zeit nicht vorstellbar gewesen wäre, nun aber,
da alles zu Ende geht, ein kluger Schachzug ist.
Von Bedeutung ist auch die Ankunft eines piemontesischen Beamten, Chevalley
di Monterzuolo. Dieser bietet Don Fabrizio die Nennung zum Senator des
neuen Reiches an. Der Prinz lehnt das Angebot mit der Begründung
er fühle sich an die "alte Welt" gebunden, ab.
Das Leben der Hauptfigur verläuft weiter monoton und immer trostloser,
bis er im Jahre 1883 in einem unbekannten Zimmer eines Hotels stirbt.
Der Roman endet im Jahre 1910 mit den Erinnerungen seiner drei Töchter,
verschärft durch deren einsamen Daseins.
Struktur
Das Buch ist in acht Teile untergliedert. Die ersten Vier sind in etwa
gleich lang, sowie die letzten Vier, wobei diese ungefähr halb
so lang sind wie die Vorherigen. Jeder Teil wiederum ist in Absätze
eingeteilt. In den ersten zwei Teilen, kommen diese wesentlich häufiger
vor, was zu einer größeren Dynamik am Beginn des Romans beiträgt,
in denen es zu häufigen Szenenwechseln und Einführungen neuer
Figuren kommt. Gegen Ende des Romans hingegen kann man mehr Dialoge
und nachdenkliche Phasen erkennen. Nicht nur die ganzen Teile können
als abgeschlossene Kapitel betrachtet werden, sondern im Grunde genommen
auch die Untergliederungen, die jeweils mit einer Überschrift beginnen,
die etwas über den Ort und/oder der Hauptfigur aussagt. Man kann
feststellen, daß im Gattopardo überwiegend der Blickwinkel
des Prinzen herrscht. Manchmal läßt sich aber erkennen, daß
der Autor doch mehr weiß als seine Figuren.
Die Beschreibungen diverser Objekte oder Landschaften stehten im Vordergrund
und erfolgen meistens durch Metaphern oder Similis. Dadurch wird das
Beschriebene lebendig und steht in direktem Zusammenhang mit den Gedanken
und dem emotionalen Zustand des Protagonisten. Die Personifizierung
der Dinge hat in diesem Roman häufig einen ironischen Zweck. Aber
der polemische Versuch dieser Beschreibungen darf nicht unterbewertet
werden. Dieser hält weniger das Ziel der sozialen Ablehnung vor
Augen, als eher die anti-kitschige Feststellung.
Mit der regelmäßig vorkommenden Ironie, drückt der Autor
sein überlegenes Wissen aus, das sich in einem bitteren Lächeln
gegenüber den Heucheleien und Illusionen der Personen, ausdrückt.
Die Ironie ist oft scharf und anspielend. Sie deckt die von der Empfindsamkeit
verschleiherte Realität der Gefühle auf.
Hinzu kommt noch die sehr komplexe Sprache. Das Vokabular von Lampedusa
erlaubt es die verschiedenen Aspekte der gattopardeskischen Realität
aufzunehmen. Das Besondere daran ist die Mischung eines erhabenen Stils
mit literarischen und eindeutig unangemessenen Wörtern der höheren
Gesellschaftsschicht mit vulgären und umgangssprachlichen der niederen
Schichten. In der gehobenen Sprache fehlt es nicht an archaischen Ausdrücken
aus den Bereichen der Verwaltung, der Heraldik, der Kleidung, der Innenausstattung
und der Küche.
Charaktere
Don Fabrizio Corbera
Don Fabrizio Corbera, Prinz von Salina ist die wichtigste Figur des
Romans. Er zeichnet sich durch ein autoritäres Temperant, eine
steife Moral und Neigung zu abstrakten Ideen aus. Im Gegensatz zu seinen
Vorfahren hat Don Fabrizio starke Neigungen gegenüber den mathematischen
Wissenschaften, die er an der Astronomie anwendet. Die Astronomie ist
sehr wichtig für ihn, da sie ihn von den alltäglichen Beschäftigungen
ablenkt. In der Tat würde der Prinz während des Balls im Palast
Ponteleone lieber in der Sternwarte sein, da er sich in der Gesellschaft,
die ihn umgibt, nicht wohlfühlt. Sein Leben wird von einer ständigen
Unglücklichkeit charakterisiert. Unter seinen Gedanken kommen die
des Todes am häufigsten vor. Er empfindet den Tod als eine Erlösung
aus der Langeweile, des Kummers und der Unruhe.
Maria Stella Corbera
Maria Stella Corbera ist die Ehefrau des Prinzen. Sie wird öfters
von hysterischen Krisen überfallen, was dazu führt, daß
ihr Ehemann sich nach Palermo zur Prostituierten Mariannina begibt.
Als Maria Stella von der Hochzeit zwischen Tancredi und Angelica erfährt,
reagiert sie jähzornig und bezeichnet ihren Neffen als Betrüger.
Sie hatte gehofft Tancredi würde Concetta heiraten. Anläßlich
des ersten Besuchs von Angelica im Hause Salina, nimmt die Prinzessin
sie aber warm auf indem sie sie fest an sich drückt.
Concetta Corbera
Concetta Corbera ist die Tochter des Prinzen Fabrizio. Am Anfang des
Romans erscheint Concetta als eine stolze, junge Dame die in ihren Cousin
verliebt ist. Sie zögert nicht ihre Gefühle dem Pater zu beichten
und ihn zu bitten ihrem Vater über ihre Absichten, Tancredi heiraten
zu wollen, zu berichten. Als ihr Cousin bei einem Abendessen in Donnafugata
vom Überfall und vom Kloster erzählt, hat Concetta Tränen
in den Augen da ihr Angebeteter mit Angelica flirtet. Ein anderes Mal
lernt sie den mailändischen Grafen Carlo Cavriaghi kennen, der
in sie verliebt zu sein scheint. Beim Tod des Vaters ist sie die einzige
die nicht weint, immer noch um Tancredi trauernd, der inzwischen schon
mit Angelica verheiratet ist. Eines Tages merkt sie, daß sie ihre
Liebe verloren hat und daß der Stolz über ihr Leben bestimmt.
Tancredi Falconeri
Tancredi Falconeri, der Neffe und Mündel des Prinzen von Salina
ist ein junger Mann mit kühlem Temperament der mit einem wenig
vorbildhaften Benehmen ausgestattet ist. Er fühlt eine Sympatie
für die Liberalen, die sich zu dieser Zeit heimlich organisierten.
Tancredi unterscheidet sich von den anderen Personen, die sich in der
Umgebung von Don Fabrizio bewegen, durch seine Entscheidung sich für
die garibaldini einzusetzen um so der palermitanischen Aristokratie
anzugehören.
Padre Pirrone
Der Pater Pirrone ist der Jesuit der die geistige Führung im Hause
Salina hat. Was ihn mehr beunruhigt als die Landung der garibaldini
auf Sizilien ist die Forderung der Güter der Kirche. Er hat lange
Zeit versucht Tancredi die lateinische Sprache beizubringen, seine Launen
und Scherze erleidend. Der Geistliche empfindet Angst bei den Zusammentreffen
mit dem Prinzen Salina und er ist sehr darauf bedacht ihn nicht zu kränken.
Don Calogero Sedara
Don Calogero Sedara ist der Bürgermeister von Donnafugata. Er erscheint
immer schlecht rasiert, spricht mit bürgerlichem Akzent und hat
einen durchdringenden Geruch nach Schweiß. Allerdings besitzt
er eine merkwürdige Art von Intelligenz. In der Tat werden viele
Probleme, die dem Prinzen unlösbar erscheinen, von ihm gelöst.
Es gelingt ihm schnell sich von Donnafugata zu bemächtigen. Sein
Einkommen ist nun dem von Don Fabrizio gleich. Aber mit dem Reichtum
steigt auch seine politische Macht. Durch den Umgang mit dem Prinzen
erkennt er, daß der Charme auch von guten Manieren hervorgeht.
Angelica Sedara
Angelica Sedara, die Tochter des Bürgermeisters von Donnafugata,
ist in Florenz im Internat gewesen und ist von ungemeiner Schönheit.
Sie verliebt sich in Tancredi und sieht in ihm die Möglichkeit
einen Platz in der sizilianischen Aristokratie zu bekommen. In ihren
Augen ist diese Welt voller Wunder obwohl sie in Wirklichkeit ziemlich
anders ist als sie sich vorstellt. Nach der Heirat mit Tancredi häufen
sich ihre Besuche in der Villa Salina. Ihr Leben mit Tancredi verläuft
nicht ohne Streitigkeiten, vielleicht betrügt sie ihn auch zum
Beispiel mit Tassoni.
Der Gattopardo und die Geschichte
Die Weltsicht
Die Ideologie der Figur ist ein internes Element des Werkes und bekommt
eine bestimmte Bedeutung indem es mit den anderen Elementen des Textes
interagiert. Die Ideologie des Autors stimmt mit der seiner Hauptfigur
überein. Don Fabrizio ist praktisch derjenige, der für den
Autor spricht und denkt. Beide wollen an eine andere, bessere Welt denken.
Sie quälen die Sehnsucht nach Perfektion und Moral. Um die Welt
ändern zu können, müsste man stärker sein oder sie
mit dem Verstand und dem Herzen akzeptieren wie sie ist. Aber sie sind
nicht von den Veränderung, die sich anscheinend zum Positiven entwickeln
sollen, überzeugt. Der Moralist Lampedusa ist anscheinend nicht
stärker als die Welt und findet sich aber auch nicht mit ihr ab.
Mit Schmerzen lehnt er sie ab und sucht den Tod. Die einzige, auch wenn
traurige, Wahrheit und Lösung.
Der Tod des Gattopardo
In den letzten drei Kapiteln geht es um den Niedergang. Dieser umfaßt
nicht nur die Figur Don Fabrizio, sondern auch seine Erinnerungen, Gegenstände,
geliebte Personen. Der Roman von Lampedusa endet nicht mit dem Tod des
Prinzen, sondern mit dem Flug aus dem Fenster des einbalsamierten Hundes.
Mit Bendicò verschwinden auch die letzten Reste der Welt des
Gattopardo. Das Tier ist die erste und auch die letzte Figur, die zusammen
mit Don Fabrizio auftritt.
Noch vor dem wichtigsten Teil, kommt der Tod bereits gleich am Anfang
vor. Und je mehr man sich dem Romanende nähert, desto stärker
kommt auch der Tod zum Ausdruck. Der Tod wird von Don Fabrizio sowohl
als Verwesung und Untergang empfunden, als auch als Erlösung von
den Leiden.
Im Kapitel des Balls im Haus Ponteleone, wird Don Fabrizio in Kontakt
mit seiner Schicht dargestellt. Diese Feste haben für den Adel
eine rituelle, fast lithurgische Funktion. Aber die Warnhinweise fehlen
nicht. Das gesamte Kapitel ist eine Beschreibung einer Gesellschaft,
die am Aussterben ist. Die hohe Schicht kommt noch einmal zusammen um
sich gegenseitig zu gratulieren, daß es sie noch gibt. Es ist
zwar die Bekanntmachung Angelikas in der Gesellschaft, aber der Prinz
erlebt das Fest mit zunehmendem Unbehagen. Der Tod erreicht ihn dann
nach der Rückkehr von Neapel, in einem unbekannten Zimmer eines
Hotels in Palermo. Mit dem Tod erkennt man den zeitlichen Kontrast besonders
gut. Don Fabrizio hatte immer geglaubt, daß die Familie Salina
ewig in Sizilien bleiben würde, aber er war der Letzte. Er lebte
irgendwo in einer Art Traumwelt wo er an alten aristokratischen Traditionen
festhalten konnte. Zum Zeitpunkt seines Todes machte er sich keine Hoffnungen
mehr. Die Situation wird sich nicht mehr verbessern, sondern geht nur
von der alteingesessenen Schicht zur Neureichen über, ein Prozeß,
der im 18. und 19. Jahrhundert in ganz Europa vorsichging.
Das zentrale Thema dieses Romans ist die Verbindung von Geschichte und
persönlichem Schicksal. Die Hauptfigur muß sich einer Epoche
der Veränderungen stellen, in der Institutionen, soziale Bräuche
zu Fall kommen sowie jegliche Gutmütigkeit, Barmherzigkeit,Gerechtigkeit
und Rationalität abgelehnt werden. Es ist aber so, daß es
immer eine Veränderung geben wird, wobei mit dem Neuen etwas wertvolles
Altes aufgeben werden muß. Auf den ersten Blick möchte man
meinen, daß der Prinz krampfhaft an seinen Gewohnheiten festhält
und nicht möchte, daß sich etwas ändert. Aber er reagiert
nicht aktiv gegen die Erneuerungen, sondern er beobachtet nur, nicht
ohne Bitterkeit, den Todeskampf der Aristokratie. Allerdings ist er
nicht enttäuscht, da er von seiner Schicht bereits Abschied genommen
hat. Er ist sich genau dessen bewußt was vor sich geht. Die Aristokratie
ist dazu verdammt zu verschwinden. Es ist sinnlos sich an die Vergangenheit
zu klammern und sinnlos die Hoffnung aufrechtzuerhalten, daß die
alte Welt überleben wird. Selbstverständlich ist er mit der
heranwachsenen Welt nicht einverstanden. Er kann keine Sympatie für
diese gierigen, armseligen Menschen ohne Ideale und ohne Stil empfinden.
Er ist sich auch im Klaren, daß diese neue Schicht betrügerisch
sein und sich selbst belügen muß um an ihre Ziele zu gelangen.
Sein Tod ist sowohl Ende als auch Anfang. Ende der Aristokratie und
Beginn einer neuen Ära des Bürgertums. Das südliche Bürgertum
ist vielleicht die älteste soziale Schicht der Halbinsel. Während
es in den letzten zwei Jahrhunderten in den anderen Regionen Italiens
starke strukturelle Änderungen gegeben hat, ist die südliche
Gesellschaft für sehr lange Zeit fast unverändert geblieben.
Es wurden zwar die Landherren ersetzt, ohne allerdings deren Funktionen
zu erneueren. Der Eigentum von Ländereien ist weiterhin der ausschlaggebende
Faktor für soziale und politische Macht geblieben.
Das Risorgimento
"Risorgimento" bedeutet wort wörtlich gesehen Wiedererstehung,
Wiedergeburt. Die Epoche umfaßt in Italien den Zeitabschnitt zwischen
1789 bzw. 1815 und 1871, in dem die Voraussetzungen für die Entstehung,
Entwicklung und Realisierung des Ideals einer nationalen Einheit Italiens
geschaffen wurde.
Ende des 18. Jahrhunderts bestand Italien aus vielen kleineren und größeren
Staaten, die sich gegenseitig bekriegten. Im Norden bestand das Königreich
Sardinien-Piemont unter der Dynastie der Savoyer. Der östliche
Nachbar der Savoyer war die Lombardei, die dem Kaiserreich der Habsburger
als Herzogtum angehörte. Nach dem Wiener Kongreß ging auch
die Republik Venedig in österreichischen Besitz über. Die
Stadtstaaten Genua und Lucca waren zwar kleine Territorien, hatten aber
keinen politischen Einfluß. In der Poebene waren die Städte
Modena und Parma selbständige Herzogtümer. Im Großherzogtum
Toskana regierte eine Seitenlinie der Habsburger. Der Kirchenstaat erstreckte
sich quer durch Mittelitalien. Der Papst herrschte über Latium,
Umbrien und einen großen Teil der heutigen Emilia-Romagna. Südlich
des Kirchenstaates fing das Königreich Neapel und Sizilien an,
das von der Dynastie der Bourbonen regiert wurde.
Mit dem Beginn der Restauration in Europa seit dem Wiener Kongreß
sah es auch für Italien nicht wesentlich anders aus als vor der
Napoleonischen Zeit. Wenn auch die Restauration als politische Lösung
durchaus akzeptiert wurde, so sorgte die wirtschaftliche Lage für
Instabilität. 1820/21 kam es im Königreich der Bourbonen,
1821 in Piemont und 1831 im Kirchenstaat zu Revolten. Zum großen
Teil wurden diese Aufstände von patriotischen Geheimbünden
angestiftet, die zwar in Süditalien entstanden waren, aber ab 1815
Mitglieder auf der ganzen Halbinsel hatten.
Erst ab Mitte der 50er Jahre gewann infolge der auch in Italien einsetzenden
Modernisierung jenes Bürgertum an Einfluß, das bis dahin
ohne jegliche politische Macht gewesen war. In Piemont übernahm
während des wirtschaftlichen Aufschwungs dieser Jahre eine für
die künftige Geschichte Italiens wichtige Persönlichkeit das
Amt des Ministerpräsidenten: Graf Camillo Benso di Cavour. Politisch
konservativ, manövrierte er Piemont mit großem Talent durch
die europäische Diplomatie.
Im Süden Italiens ermutigte der Aufstand auf Sizilien Giuseppe
Garibaldi, den legendären Militärhelden des Risorgimento,
per Schiff mit einer Truppe junger Freiwilliger, den Mille, die Befreiung
des Landes von Süden her auf eigene Faust zu versuchen. Mit seinen
revolutionär-demokratischen Parolen, darunter vor allem der Forderung
nach Abschaffung des Großgrundbesitzes und die Verteilung des
Ackerlandes unter den Bauern, erhielt Garibaldi viel Zustimmung und
Unterstützung. Sein Zug war erfolgreich bis zur Begegnung mit den
piemontesischen Truppen, die ihm aus dem Norden entgegenkamen. In deren
Verlauf verzichtete Garibaldi zugunsten der Piemonteser auf jegliche
Ansprüche auf das von ihm eroberte Land. Am 17.3.1871 wurde in
Turin die Gründung des Königreichs Italien proklamiert, obwohl
Venedig und Rom noch nicht dazu gehörten. 1871 wurde Rom zur Hauptstadt
bestimmt, womit das Risorgimento als abgeschlossen betrachtet werden
kann.
Epilog
Das Werk an sich hat mir gut gefallen, obwohl ich es erst nach der zweiten
Lektüre wirklich verstanden habe. Allerdings bin ich nicht mit
dem Schluß einverstanden. Meiner Meinung nach ist das achte Kapitel
überflüssig. Es erzählt von den drei trauernden Töchtern
und ihren Erinnerungen. In meinen Augen ist dieser Teil überflüssig
und irgendwo auch sinnlos. Er ist nichts weiter als der endgültige,
bittere Untergang der Familie Salina, wobei ihre ursprüngliche
Größe banalisiert und volgarisiert wird. Das Werk würde
mit dem Tod des Prinzen ein schönes Ende nehmen. Zu diesem Zeitpunkt
ist im Grunde genommen alles gesagt und es ist auch alles passiert was
vorhersehbar war. Zudem wird der Tod sehr stilvoll und lieblich in Form
einer weiblichen Erscheinung dargestellt, die ihn holen kommt. Außerdem
wird noch erwähnt, daß das sonst tosende Meer, im Moment
des Sterbens, zur Ruhe kommt.
Was das Risorgimento betrifft, so ist eigentlich nur wenig davon im
Werk zu finden. Nur im ersten Teil wird wirklich ein Hinweis darauf
gegeben. Ansonsten kann man die Verbindung nur erkennen, wenn man sowohl
das Buch gelesen hat als auch die geschichtlichen Hintergründe
kennt. Und ich glaube, daß dieses Faktum mit der engen Geschichtsvision
von Lampedusa zu tun haben könnte. Mit der Tatsache, daß
er es nicht schafft, die einzelnen Geschichten in den richtigen Zusammenhang
zu bringen. Der einzige Moment, in dem der Zusammenhang zwischen den
Figuren und der Geschichte stimmt, wird von der Ironie bedeckt. Man
befindet sich im Bereich der Dekadenz und am Ende des Romans erfährt
man eigentlich nur etwas über die Enttäuschung und Antipathie
gegenüber der Realität.
Literaturverzeichnis
TOMASI DI LAMPEDUSA, Giuseppe: Il Gattopardo. Milano: Feltrinelli (³1978)
Brockhaus - Enzyklopädie. Leipzig - Mannhein, Brockhaus 1994
BUZZI, Giancarlo: Invito alla lettura di Tomasi di Lampedusa. Milano,
Mursia 1980
CARINI, Enrico: Giuseppe Tomasi di Lampedusa e il Gattopardo. Torino,
Loescher 1991
FARAGÒ, Raffaele: Il Gattopardo e le altre opere di Giuseppe
Tomasi. Cosenza, progetto 2000
GIACOVAZZO, Maria Pagliara: Il "Gattopardo" o la metafora
decadente dell' esistenza. Lecce, Milella 1983
HAMEL, Pasquale: Breve storia della società siciliana 1790-1980.
Palermo, Sellerio 1994
ORLANDO, Francesco: L' intimità e la storia. Lettura del <Gattopardo>.
Torino, Einaudi 1998
ZAGO, Nunzio: I Gattopardi e le Iene. Il messaggio inattuale di Tomasi
di Lampedusa. Palermo, Sellerio 1983
http://kidslink.bo.cnr.it/irrsaeer/gattopar/analisi.html
http://arci01.bo.cnr.it/irrsaeer/gattopar/ange.html
http://arci01.bo.cnr.it/irrsaeer/gattopar/calo.html
http://arci01.bo.cnr.it/irrsaeer/gattopar/concet.html
http://kidslink.bo.cnr.it/irrsaeer/gattopar/fabri.html
http://kidslink.bo.cnr.it/irrsaeer/gattopar/genere.html
http://arci01.bo.cnr.it/irrsaeer/gattopar/p-p.html
http://kidslink.bo.cnr.it/irrsaeer/gattopar/rompunt.html
http://arci01.bo.cnr.it/irrsaeer/gattopar/stella.html
http://arci01.bo.cnr.it/irrsaeer/gattopar/tanc.html
|