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2 Namen und ihre Bedeutung in unserem Leben
Die Sprache spielt seit eh und je eine wichtige Rolle in unserem Leben.
Durch sie können wir Gefühle, Empfindungen und Gedanken ausdrücken
sowie miteinander kommunizieren. "Indem wir Dinge um uns benennen
und über sie sprechen, können wir sie jederzeit in unser Bewusstsein
rufen. Das reine Wort reicht inzwischen nicht mehr aus, um emotionale
Nähe auszudrücken, deshalb greifen wir zum Namen. Je intensiver
die Beziehung ist, die man zum Gegenüber aufbaut, desto wichtiger
wird der Name." Wir benennen alles, was wir wahrnehmen können.
Etwas, das keinen Namen trägt, existiert faktisch nicht für
uns. Folglich wird unsere Welt durch Namen bestimmt. Namensgebung und
Namen sind etwas Alltägliches und Normales für uns.
Auf den folgenden Seiten möchte ich zuerst näher auf die Eigenschaften
einer Marke näher eingehen. Darauf folgend werde ich mich den Markennamen
widmen. Hierbei wird etwas genauer auf die Attribute, die Herkunft und
die Typologien von Markennamen eingegangen. Ein weiterer wichtiger Punkt
in meiner Arbeit ist der Kreation von Markennamen gewidmet. Da die juristische
Bedeutung von Markennamen auch sehr wichtig ist, werde ich selbstverständlich
auch auf dieses Thema näher eingehen.
Um die vorliegende Arbeit sowohl fachgerecht als auch verständlich
schreiben zu können, habe ich im wesentlichen auf wirtschaftliche
und juristische Fachbücher zurückgegriffen. Unter anderem
habe ich auch den einen oder anderen Aufsatz und Artikel aus Sammelbänden
und Zeitschriften zu Rate gezogen. Aufgrund der Zugehörigkeit zur
Europäischen Union sowohl von Deutschland als auch von Spanien,
habe ich mich aus persönlichen Verständnisgründen eher
auf deutschsprachige Werke bezogen. Auch die Veranschaulichung der theoretischen
Tatsachen anhand von Beispielen habe ich vorwiegend aus dem deutschen
und internationalen Raum entnommen, da sehr wenig spanische Marken auch
international bekannt geworden sind bzw. werden.
Nun möchte ich aber Ihr Interesse nicht mehr unbefriedigt lassen,
sondern mit meinem eigentlichen Thema, dem Markennamen beginnen.
2.1 Funktion des Namens
Einem Produkt einen Namen zu geben bedeutet, ihm eine Identität
zu verleihen und aus der Anonymität herauszuheben. Der Name drückt
die Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit aus. Er schützt vor
Störung und widerrechtlicher Aneignung durch andere und erfüllt
das Bedürfnis nach Konstanz und Kontinuität. Namen werden
vergeben an etwas:
· das von sich aus eine Individualität
besitzt
· in dem man Individualität erkennen kann
· von dem man möchte, daß es eine Individualität
erhält
Er ist eng mit dem Produkt verbunden und die
Eintrittskarte für die Kommunikation. Ihn zu besitzen heißt,
präsentiert und genannt werden zu können. "Der Vorteil
des Namens ist, etwas ausdrücken zu können, ohne es sagen
zu müssen." Auf diese Weise kann man sich unauffälliger
und diskreter an den Verbraucher wenden. Der Name ist zwar präzise,
aber die durch ihn geweckte Vorstellung beim Kunden ist vielfältig.
Markennamen positionieren die Produkte, Dienstleistungen oder Unternehmen
am Markt und kommunizieren gleichzeitig auch Werte. Ein einmal gewählter
Name begleitet ein Produkt sein Leben lang. Wird dieser Name geändert,
handelt es sich automatisch auch um ein anderes Produkt. Mit dem Kauf
des Produkts kauft man automatisch auch den Namen. Eine untrennbare
Verschmelzung von Name und Produkt geht vonstatten.
Der Name stellt das Kernsignal der Marke dar. Er ist die Grundlage für
ihre Bekanntheit, die Marketingmöglichkeiten und die emotionale
Eingliederung in den Markt. Der Produktname muß in der Lage sein,
die für den Absatzerfolg notwendige Produktidentität und Produktpersönlichkeit
aufzubauen, diese für den Konsumenten glaubhaft zu verkörpern
und darüber hinaus eine schützbare Abgrenzung gegenüber
Wettbewerbsprodukten zu erzielen. Die wichtigsten Funktionen, die ein
Markenname erfüllen sollte sind:
· Der Name soll das Produkt identifizieren
· Der Name soll das Produkt vom Wettbewerb differenzieren
· Der Name soll dem Käufer die Möglichkeit geben, sich
von anderen zu differenzieren
· Der Name soll eine emotionale Welt aufbauen
· Der Name muß vor der Produkt-Einführung rechtlich
einwandfrei abgesichert werden
Diese vielschichtigen Anforderungen deuten an,
dass die Wahl des richtigen Namens viel bewirken. Eine falsche Entscheidung
jedoch fatale Folgen für die Marke und das Unternehmen haben kann.
3 Die Marke
"Schon immer bedienten sich die Hersteller von Produkten oder Dienstleistungen
einer Marke oder eines Markenzeichens, um das, was sie anboten, auf
besondere Art und Weise hervorzuheben und von anderen Herstellern zu
unterscheiden."
Im Altertum wurden die Produkte durch den Töpfer mit bestimmten
Zeichen versehen. Er wollte damit erreichen, dass diese Töpfe eindeutig
seiner Herstellung zuzuordnen waren.
Auch heute spielen Markierungen, Marken und Markennamen eine selbstverständliche
Rolle. Doch was genau eine Marke ist, wird uns meistens nicht bewusst.
3.1 Bedeutung der Marke
3.1.1 Die Identifizierung
Die Marke dient immer der Identifizierung, der Unterscheidung nach Ursprung,
Beschaffenheit oder Herkunft. Die heutigen Warenzeichen- und Dienstleistungsmarken
dienen den Unternehmen dazu, ihre Produkte von denen der Wettbewerber
und von anderen Produkten aus ihrer eigenen Herstellung zu unterscheiden.
Die Bezeichnung einer Ware mit einem Markennamen hebt diese aus der
Anonymität heraus, versieht sie mit über den rein funktionalen
Nutzen hinausgehenden Angeboten und Versprechen, verschafft ihr einen
Zusatznutzen.
3.1.2 Die Garantiefunktion
Die Marke übt aber auch eine Garantiefunktion aus. Die Garantiefunktion
beruht auf der Erfahrung, dass der Verbraucher aus der regelmäßigen
Verwendung des gleichen Zeichens für eine Ware auf deren gleich
bleibende Güte und Beschaffenheit schließt. "Er vertraut
darauf, daß die durch die Verwendung einer Marke mögliche
Identifizierung des anbietenden Unternehmens dieses daran hindert, eine
einmal erreichte Qualität zu mindern. Zwar ist diese Garantiefunktion
einer Marke [
] rechtlich nicht abgesichert, wirtschaftlich aber
zweifellos vorhanden, denn Qualitätsverluste von Waren oder Leistungen,
die mittels einer Marke einem bestimmten Unternehmen zugeordnet werden
können, bewirken eventuell ein Negativ-Image."
3.1.3 Die Werbefunktion
Erfüllt eine Marke die Funktion der Garantie und des Qualitätsversprechens,
kann man dies in einfacher Weise in der Werbung für dieses Produkt
einsetzen. Das Vertrauen, das der Marke entgegengebracht wird, kann
durch unterschiedliche Werbemethoden auf einen kurzen Nenner gebracht
und wirkungsvoll kommuniziert werden.
3.1.4 Die Manipulations- und Schutzfunktion der
Marke
"Eine Marke kann außerdem zu einem Auschließlichkeitsrecht
werden, das nicht nur dem Inhaber das alleinige Recht zu Benutzung der
Marke verleiht, sondern ihm auch die Befugnis gibt, imitierende und
ausbeutende Störungen durch andere zu unterbinden." Zur Schutzfähigkeit
von Namen und ihrer rechtlichen Bedeutung komme ich später in meiner
Ausführung. Doch neben diesen marktwirtschaftlich ausgerichteten
Funktionen der Marke gibt es auch noch den eher psychologisch orientierten
Ansatz.
3.1.5 Psychologische Funktionen der Marke
Der Konsument nimmt Produkt und Marke stets als Einheit wahr, da diese
nie getrennt voneinander auftreten und bewertet diese subjektiv. Markenprodukte
können auf diese Weise eine Projektionsfläche für psychologische
Phänomene, wie Vertrauen, Vertrautheit und Sicherheit darstellen.
3.2 Die Bestandteile der Marke
Die Marke hat viele Formen, da sie aus verschiedenen Zeichen zusammengesetzt
sein kann:
· Ein benennendes Zeichen: der Markenname,
das verbale Element der Marke
· Ein halb-figuratives Zeichen: das Logo, das die Marke visuell
darstellt
· Ein figuratives Zeichen (gegebenenfalls): das Emblem, das die
Marke repräsentiert
Das Hauptcharakteristikum der Marke und gleichzeitig
das, was am häufigsten erwähnt wird, ist ihre nominale Form.
3.2.1 Verbale Bestandteile
Die Markennamen, die von den Unternehmen benutzt werden, sind ganz unterschiedlicher
Art. Namen mit oder ohne Bedeutung, aus dem inländischen oder ausländischen
Wortschatz in vielfältigsten Formen. Sogar numerische Marken sind
einsetzbar, um die Produkte identifizierbar zu machen. Auf die Typologisierung
von Markennamen komme ich später noch genauer zu sprechen.
3.2.2 Figurative Bestandteile
Grundlegende figurative Bestandteile einer Marke sind das Logo, das
Emblem und das Produktdesign.
Das Logo ist die visuelle Darstellung des Namens.
Die Attribute des Namens sollen unterstrichen und damit eine Wiedererkennung
und leichte Lesbarkeit ermöglicht werden. Jedes Logo unterscheidet
sich durch
· Die Typographie und die Kalligraphie
· Die Farbe oder das Zusammenspiel verschiedener Farben
· Das Vorhandensein rein figurativer Elemente
Das Vorhandensein eines Emblems neben einem Logo
ist nicht unbedingt notwendig. Es birgt aber die Möglichkeit, bestimmte
Dinge, wie die geographische Herkunft oder das Metier, aus dem das Produkt
stammt, zu charakterisieren. Neben solchen andeutenden Emblemen gibt
es auch noch die abstrakten Embleme, die eine Ergänzung der symbolischen
Identität des Unternehmens oder seiner Produkte mit sich bringen.
Es werden fünf große Gruppen von Emblemen benutzt:
· Geometrische Figuren
· Objekte oder Instrumente
· Personen (real oder fiktiv)
· Tiere oder tierbezogene Darstellungen
· Vegetation oder Mineralien
Zur Identität der Marke tragen Produkt-,
Verpackungs- und Graphikdesign bei. Die Form und die Aufmachung des
Produktes spielen auch eine wichtige Rolle in der Wahrnehmung, Identifizierung
und Personifizierung der Marke. Neben der Form kommt der Farbigkeit
eine besondere Rolle zu. Jede Farbe besitzt einen besonderen Symbolwert
und charakterisiert auf ihre Weise das Produkt.
3.2.3 Auditive Zeichen
Das Markenkonzept beschränkt sich jedoch nicht rein auf benennende
oder figurative Zeichen. Die Markenidentität kann auch musikalische
Komponenten enthalten, wie z.B. Begleitmusik und Jingles in der Werbung,
die manchmal untrennbar mit dem jeweiligen Produkt in Verbindung gebracht
werden. Die Eigenschaften und Bestandteile der Marke wurden hier nur
kurz angerissen, um die Entwicklung des Markennamens in das Konzept
der ganzheitlichen Markenbetrachtung eingliedern zu können. Welche
besondere Bedeutung der Entwicklung von Markennamen zukommt, erläutere
ich in den folgenden Kapiteln.
4 Branding
Der Begriff Branding bezeichnet den Prozeß der Namensentwicklung.
"Branding ist die organische Zusammenfassung einer Mixtur von greifbaren
und nicht greifbaren Werten, die der zu entwickelnde, zeichenrechtlich
schutzfähige Name auf unverwechselbare Weise charakterisieren muß,
national, multinational oder global."
Der Markenname ist im Marketingmix die einzige unveränderliche
Konstante und kommuniziert ein Paket von Werten. Bedient man sich bei
der Namensgebung für ein neues Produkt den Methoden des professionellen
Brandings, minimiert man bereits im voraus das Risiko, falsche, unaussprechbare
oder missverständliche Namen zu wählen. Die Wichtigkeit des
Markennamens wird von den Unternehmen immer noch häufig unterschätzt.
Daraus resultierend kommt es zu folgenden Fehlern:
· Die gewählten Namen bestehen oft
nur aus dem Versuch, die Leistung auszudrücken oder aus einer Abkürzung
· Zeichenrechtliche Aspekte, die die Investitionen des Unternehmens
absichern, werden nicht beachtet
· Zeitliche Fristen, die bis zur schutzfähigen Eintragung
des Namens für die Planung unumgänglich sind, werden ignoriert
oder sind nicht bekannt
· Die ausgewählten Namen funktionieren nur in einem Sprachraum,
obwohl klar ist, daß das Produkt auch in anderen internationalen
Märkten vertrieben werden soll.
Nicht nur aus dem Grund, daß fehlgeschlagene
Markennamen immer zu hohen Kosten führen, sollte dem Prozeß
der Namensentwicklung ein hoher Stellenwert eingeräumt werden.
Doch bevor wir uns der konkreten Kreation von Markennamen zuwenden erläutere
ich, was man dabei speziell zu beachten hat und welchen Symbolgehalt
die einzelnen Elemente des Namens besitzen.
5 Die Attribute des Markennamens
5.1 Elemente der linguistischen Typologie
Bei der Kreation von international gültigen Markennamen ergibt
sich ein Problem: Jeder Name, der einer anderen Sprache entlehnt wurde,
besitzt seine ganz eigene Graphik und Phonetik. Darum ist er auch nur
für eine beschränkte Gruppe aussprechbar, merkfähig und
besitzt nur für diese Gruppe eine Bedeutung.
Zwar ist die weltweite Annäherung der Technik und Produkte weit
fortgeschritten, eine Annäherung oder Universalisierung der Sprache
ist noch lange nicht erreicht. Englisch ist Weltsprache und dennoch
nur für eine Elite zugänglich. Man sagt zwar, dass sehr viele
Menschen Englisch sprechen, tatsächlich beherrscht es aber nur
eine Minderheit von höherem sozialen Status gut. Die breite Masse,
oft potentielle Kunden, sprechen es so gut wie gar nicht.
Jedes Land hat seine eigenen landestypischen Sprachgewohnheiten und
seinen Akzent. Dieser Umstand beeinflusst, ob man einen Markennamen
als unausprechbar empfindet oder ob er in der einen Sprache einen wunderbaren
Klang und Bedeutung hat, in der anderen aber als misstönend und
negativ wahrgenommen wird.
Im folgenden möchte ich phonetische und semantische Attribute von
Markennamen unterscheiden. Soweit nicht abweichend zitiert, beziehe
ich mich bis zum Ende des Kapitels auf die Ausführungen von Latour.
5.2 Phonetische Eigenschaften von Markennamen
Es stellt eine enorme Schwierigkeit dar, einen Markennamen zu etablieren,
der in unterschiedlichen Ländern akzeptiert wird.
Der Name TIMEX kann auf verschiedene Weise ausgesprochen werden: ti-meks
auf französisch, tay-meks auf englisch, ti-mesh auf portugiesisch.
Die Marke ist trotzdem überall wiederzuerkennen. Namen, die so
leicht Grenzen überwinden, sind eher selten. Die meisten besitzen
eine komplexe Graphie, die im Ausland Lese- und Ausspracheprobleme verursacht.
Bevor man also eine Marke kreiert, ist es günstig, sich mit der
Phonetik und dem, was in den wichtigsten Sprachen aussprechbar ist,
auseinanderzusetzen.
Der Vorteil eines alphabetischen Systems gegenüber Schriftzeichen
wie im Chinesischen oder Ägyptischen ist der direkte Hinweis auf
die Aussprache. Ein Zeichen entspricht einem Ton. Im weit verbreiteten
lateinischen Alphabet kann ein Zeichen in unterschiedlichen Sprachen
verschiedenen Tönen entsprechen. Dies hängt jeweils von den
Sprachgewohnheiten der Menschen ab.
Das u kann im Englischen viele verschiedene, phonetische Werte erhalten
(a, au, i, oder ju, wie in but, out, business, usual). Im Deutschen
gibt es dagegen nur eine Aussprache. Die französische Graphie ch
hat im Portugiesischen denselben Wert wie im Französischen, im
Englischen und Spanischen wird es dagegen tch gesprochen, im Italienisch
k. Das c hat in Europa verschiedene Wertigkeiten (k, s, ts, tch, dj,
etc.) und im Französishen wird es wie k vor einem a, aber wie s
vor einem e ausgesprochen usw. Einige Sprachen besitzen eine klare phonetische
Ortographie. Im Spanischen, Kroatischen, Türkischen, Indonesischen
usw. spricht man, wie man es schreibt. Andere Länder haben ein
komplexeres, orthographisches System. Wenn man aber den Schlüssel
kennt, weiß man schnell, wie man etwas aussprechen muß.
Ein Markenname muß leicht identifizierbar,
merkfähig und für den Verbraucher leicht aussprechbar sein.
Die Schwierigkeiten werden größer, wenn die Marke auf einem
internationalen Namen beruhen soll, da jede Sprache aus bestimmten Lauten
besteht. Für die gezielte Suche nach Lauten, die die gewünschten
Klang- und Vorstellungsbilder erzeugen ist es sinnvoll, die einzelnen
Laute hinsichtlich ihrer Ausdrucksqualitäten zu analysieren. Um
sich diesem Phänomen anzunähern, muß man die Akustik
der Vokale und Konsonanten untersuchen.
5.2.1 Die Akustik der Vokale
Es ist möglich, die Vokale in verschiedene akustische Typen aufzuteilen.
Diese Typen sind quasi in jeder Sprache identisch, wobei jede Sprache
nur eine bestimmte Anzahl der Vokalmöglichkeiten nutzt. Alle Vokalsysteme
der Welt bauen auf einer doppelten Unterscheidung auf:
Hell (i) und dunkel (u), offen (a) und geschlossen (i, u). Die Töne
i, u und a sind allen Sprachen gemein, doch viele Sprachen, wie auch
die Deutsche, haben dieses System um Zwischentöne vergrößert
(o, e, ö, ü, ä). Obwohl die Vokale in den meisten europäischen
Ländern gleich geschrieben werden, kann die Aussprache von Land
zu Land ganz anders sein. Die Aussprache des Buchstaben i ist in allen
europäischen Sprachen identisch. Die einzige Ausnahme bildet das
Englische. Hier sind zwei Aussprachvarianten möglich: Manchmal
wird das i wie das deutsche ai ausgesprochen, manchmal entspricht die
Aussprache dem deutschen i. Da es durch die unterschiedliche Aussprache
zu möglicherweise damit verbundenen Verständnisproblemen kommen
kann, ist man vereinzelt dazu übergegangen, die Schreibweise schwieriger
Namen zu vereinfachen.
Der Vokal a bezeichnet in vielen Sprachen die weibliche Form eines Wortes,
der Vokal o die männliche. VW versucht dementsprechend, durch die
Verwendung der Silbe o die männliche Zielgruppe anzusprechen (Polo,
Vento, Scirocco). Opel fährt auf der entgegengesetzten Schiene
und hat sich mit seinen a-Endungen (Tigra, Corsa, Omega) für die
weibliche Ansprache entschieden.
Großer Beliebtheit erfreuen sich heutzutage Namen mit Diphtongen,
also Doppelvokalen wie ea, eo, ia usw. Diphtonge haben einen offenen,
dynamischen Klang. Sie sind vor allem in den romanischen Sprachen weit
verbreitet und klingen dementsprechend für nordische Ohren südländisch
und exotisch. Produktnamen mit einem Doppelvokal klingen interessanter
und verführerischer: Alea für ein Auto, Iloé für
Dessous.
5.2.2 Der Symbolgehalt von Vokalen
Verschiedene Untersuchungen haben sich mit der Beziehung zwischen dem
Symbolgehalt von Buchstaben und dem Klang eines Namens beschäftigt.
Diese lassen den Rückschluß zu, dass es eine Verbindung zwischen
bestimmten Buchstaben und den Variablen gibt, die die Vorstellung von
Größe, Form, Helligkeit, Gewicht oder Dynamik des Objektes
hervorrufen.
Zwischen den Vokalen [a], [é] und [i]
besteht eine graduelle Abnahme der subjektiv erlebten Größe.
Der Vokal i kann eindeutig als Symbol der Kleinheit angesehen werden.
Unter dem Namen Bongo, stellt man sich etwas größeres vor
als unter dem Namen Bingo.
Helle Vokale, wie i und e werden mit scharfkantigen, dunkle Vokale,
wie o und u werden eher mit runden Formen assoziiert.
Klare, helle Vokale, z.B. i und e symbolisieren das Licht und den Tag,
während dunkle Vokale, z.B. o und u mit der Finsternis und der
Nacht verbunden werden (Dormilón.
Die Vorstellungen von Größe und Gewicht, die mit einem Vokal
verbunden sind, korrelieren stark. Der Vokal i wird somit auch zu einem
Symbol für Leichtigkeit.
Für die Entwicklung von Markennamen mit einer hohen Geschwindigkeit
oder Lebhaftigkeit eignen sich besonders die sogenannten Frontvokale,
z.B. i und e, die von Begleitkonsonanten, die eine schnelle Aussprache
fördern, umgeben sind.
5.2.3 Die Akustik der Konsonanten
Die Bandbreite der Konsonanten ist in jeder Sprache sehr groß.
Man muß aber beachten, dass nicht alle Konsonanten in jeder Sprache
zu finden sind. Einige Beispiele:
· Franzosen machen aus dem englischen
th häufig ein t
· Deutsche sprechen das englische th eher wie s aus
· Der Buchstabe w ist in den romanischen Sprachen gänzlich
unbekannt
· Das h wird in den romanischen Sprachen zwar geschrieben, aber
nicht ausgesprochen
Konsonanten können stimmhaft oder stimmlos
sein. Im Deutschen gibt es Konsonanten, die manchmal hart, manchmal
weich ausgesprochen werden. Wie wichtig solche Unterschiede sein können,
belegt das Beispiel der Marke WICK. Die Marke ist weltweit unter VICKS
bekannt, was auf dem deutschen Markt Probleme mit sich brachte, da viele
Leute den Namen mit einem f-Laut aussprachen und dabei unwillkürlich
an einen vulgärsprachlichen Ausdruck erinnert wurden. Im folgenden
wurde also das v durch ein w ausgetauscht und die störende Assoziation
auf diese Weise beseitigt.
5.2.4 Der Symbolgehalt von Konsonanten
Genau wie bei den Vokalen kann man auch bei den Konsonanten eine Symbolhaftigkeit
erkennen. Zwar nicht so ausgeprägt wie bei den Umlauten, aber nichtsdestotrotz
vorhanden. Als besonders stark stellten sich folgende Konsonanten heraus:
k, s, t, r, und p die gleichzeitig auch erregend wirken. Als besonders
ruhig, zart und angenehm werden folgende Konsonanten empfunden: m, l,
v, b und n.
Verknüpft man die Erkenntnisse über die Symbolik der Konsonanten
mit der der Vokale, kann man auf der Ebene der phonetischen Aussagekraft
Worte mit den gewünschten Attributen erzeugen. Soll der Name beispielsweise
Assoziationen von einem weichen, kleinen, zarten und angenehmen Produkt
hervorrufen, kommen in erster Linie folgende Laute in Frage: m, l, v,
n, i und e.
Weichklingende Konsonanten werden in der Regel eingesetzt, um Assoziationen
von Weichheit, Weiblichkeit etc. hervorzurufen, wie bei Nivea, Wella.
Harte, stimmlose Konsonanten kommen bei Markennamen zum Zuge, mit dem
Vorstellungen von Dynamik, Männlichkeit und Kraft geweckt werden
sollen: Twix, Cliff.
Die bisher aufgeführten Erkenntnisse über
den Lautsymbolismus lassen sich für die Namenssuche in der Weise
verwenden, dass die Namen bevorzugt aus den Lauten zusammengesetzt werden,
die die jeweils gewünschten Vorstellungen am besten hervorrufen
können. Auf Folgendes sollte bei der Namensfindung außerdem
geachtet werden:
Vor allem für den internationalen Markt
sollte auf harte, reibende und nasale Konsonanten verzichtet werden
Auch eine Nebeneinanderstellung von Konsonanten wirkt sich negativ auf
den Klang des Markennamens aus
Die Verwendung vieler Vokale im Verhältnis zu den Konsonanten schafft
einen melodiösen Wohlklang
Von der Verwendung einsilbiger Namen ist aufgrund der hohen Verwechslungsgefahr
und mangelnder Identifikation abzuraten
Markennamen sollten zwei bis drei Silben aufweisen. Mehr als drei Silben
sind schwer zu merken.
5.2.5 Semantische Eigenschaften von Markennamen
Neben den Markennamen, die ihren Konsumenten produktbezogene Botschaften
über ihren phonetischen Klang vermitteln, gibt es Markennamen mit
vornehmlich semantisch bedingter Aussagekraft. Diese Aussagekraft ist
aber nur möglich, wenn die Konsumenten den Namen in einem anderen
Zusammenhang als Begriff bereits kennengelernt und mit einer gewissen
Bedeutung verknüpft haben. Diese Markennamen müssen aus vollständigen,
im Sprachgebrauch existenten Wörtern gebildet werden. Markennamen
dieses Typs lassen sich in zwei Untergruppen unterteilen:
· Unmittelbeschreibende Markennamen
· Symbolische Markennamen
5.2.6 Unmittelbar beschreibende Markennamen
Unmittelbar beschreibende Markennamen zeichnen sich dadurch aus, dass
die relevante Produktbotschaft dem Konsumenten auf sehr einfache und
direkte Weise vermittelt wird. Beispiel: "Ablußfrei"
als Name für ein Reinigungsmittel, das Ablüsse wieder frei
macht. "In der Regel werden die in der Zielvorgabe enthaltenen
Wörter gängige und im Sprachgebrauch häufig vorkommende
Begriffe darstellen und sich somit für die Markierung des Produktes
eignen. Zu groß wäre die Gefahr, daß diese Wörter
von den Konsumenten nur als Gattungsbezeichnung gesehen und als Markennamen
abgelehnt werden."
Um dieses Problem zu umgehen, bieten sich zwei Lösungen an: Zum
einen kann das Unternehmen die Begriffe verfremden, durch Abkürzungen,
Einfügungen, Kombinationen und vieles mehr. Zu beachten ist allerdings,
daß der ursprüngliche Bedeutungsinhalt erhalten bleibt, da
der Konsument den Namen sonst als Phantasienamen wahrnehmen wird. Die
zweite Möglichkeit besteht darin, daß das Unternehmen nach
Begriffen Ausschau hält, die einen vergleichbaren Bedeutungsinhalt
aufweisen, im Sprachgebrauch aber nicht so geläufig sind, daß
die oben dargestellten Schwierigkeiten auftreten könnten. Entsprechende
Begriffe lassen sich in einem Synonymlexikon finden. So wird z.B. für
einen besonders kleinen Taschenschirm ein Name gesucht. Wichtigstes
Produktmerkmal ist die Kleinheit. Synonyme für "klein"
können sein: Baby, Bubi, Zwerg, Knirps etc.
5.2.7 Symbolische Markennamen
Ein wesentliches Merkmal symbolischer Markennamen besteht darin, dass
der Sinngehalt des Namens nur in indirekter Form mit dem Produkt verknüpft
ist. Jeder Konsument interpretiert den Namen anders, mit einem symbolischen
Markennamen werden viel komplexere Botschaften gesendet. Die für
die Suche nach einem solchen Namen entstehende Konsequenz ist die, dass
sich die Suchenden gedanklich von dem Produkt entfernen müssen,
um auf die symbolische Ebene zu gelangen. Um dies zu gewährleisten,
bietet sich die Methode der Analogiebildung an. Hierbei kann man in
den unterschiedlichsten Wissensgebieten nach möglichen Begriffen
suchen, mit deren Hilfe sich die zu vermittelnden Produkteigenschaften
am besten symbolisieren lassen.
Die semantische und die phonetische Aussagekraft von Markennamen lässt
sich natürlich auch miteinander verknüpfen. Man kann sich
während der Suche nach Namen mit semantischer Aussagekraft auf
diejenigen beschränken, die auch die phonetisch gewünschten
Aspekte, wie beispielsweise bestimmte Lautfolgen, beinhalten.
5.2.8 Semantische Besonderheiten
Von der Verwendung von Namen mit religiöser Bedeutung ist abzuraten:
z.B. Namen, die die Silbe alla in moslemischen Ländern enthalten,
kali oder Rama im Hinduistischen, Gott im Deutschen. Man sollte wissen,
dass die Silben kir, kos, kun persischen Schimpfwörtern entsprechen
und dass die Silbe shi im Japanischen Tod bedeutet und aus diesem Grunde
für die Namensentwicklung ausscheidet.
Bei Marken, die mit o beginnen, will folgendes bedacht sein:
· Im Portugiesischen ist o der bestimmte
Artikel
· Im Skandinavischen ist o eine negative Vorsilbe
· Für Japan gilt: o ist eine Vorsilbe, die Verehrung ausdrückt.
Sie wird zusammen mit Verwandtschaftsbezeichnungen benutzt oder für
Dinge, die als ehrenhaft gelten.
Es ist natürlich unmöglich, alle Silben-
oder Lautkombinationen auf mögliche negative Assoziationen oder
Bedeutungen hin abzusuchen. Allerdings ist es unbedingt notwendig, Namen
in den Ländern, in denen sie später eingesetzt werden, zu
überprüfen. Sonst kommt es zu Flops, wie die folgenden Namen
von Autos beweisen:
· AUSTIN METRO: erinnert nicht nur in
Paris an die U-Bahn
· LADY NOVA: wird im Spanischen als nicht funktionierend angesehen
(No va)
· ROLLS ROYCE SILVER MIST: Deutsche schlossen nicht auf Silbernebel,
sondern nahmen die Bezeichnung wörtlich
6 Die Herkunft von Markennamen
Oftmals fragt man sich, wie einige Markennamen eigentlich entstehen,
wo sie herkommen, ob sie etwas bedeuten und wenn ja, was. In den folgenden
Kapiteln werde ich mich dieser Spurensuche nach den Wurzeln eines Markennamens
widmen.
6.1 Personennamen
Wenn man ein Produkt erfunden, ein Unternehmen gegründet oder eine
Marktlücke gefunden hat, was liegt da näher, als diesen Triumph
mit seinem eigenen, dem Hersteller- oder Erfindernamen zu krönen
und dem Produkt diesen Namen zu geben?
Vor allem in der frühen Industrialisierungsphase ist dieses oft
geschehen. In der Automobilindustrie Deutschlands waren dies Ferdinand
Porsche, Gottlieb Daimler und Karl Benz, in der Elektrotechnik Robert
Bosch, Gottlob Bauknecht und Werner Siemens, im Lebensmittelbereich
Julius Maggi mit seinen Brühwürfeln, Rudolph Lindt erfand
die Milchschokolade und John Harvey Kellog die bekannten Frühstücksflocken.
Hat sich dann aber ein Erfolg eingestellt, treten die ersten Probleme
auf: Meistens bleibt es ja nicht bei nur einem Produkt, das den Herstellernamen
tragen darf. So müssen also neue Namen erfunden werden, sogenannte
Monomarken kreiert oder alle Produkte unter dem gleichen Label als Sortimentsmarke
vermarktet werden, wie z.B. bei dem recht ähnlich klingenden Namen
Henkel, dem Chemiekonzern einerseits und der Sektmarke Henkell andererseits.
Daß es hier nicht zu einer Vermischung oder einer Verwechslung
kommt, liegt an der Unterschiedlichkeit der Warengruppe.
Doch auch die Benutzung von Familiennamen muß
wohl durchdacht sein. Bei gewöhnlichen oder sehr häufig vorkommenden
Namen muß man damit rechnen, dass schon ein anderer Hersteller
diesen Namen für seine Produkte verwendet.
Ableitungen von Eigennamen sind auch sehr gern genommen, vor allem,
wenn der Eigenname zu lang, zu kompliziert oder unaussprechbar ist.
Oder es wird ein Markenname durch das Zusammenziehen verschiedener Namen
geboren. Eine weitere Möglichkeit, zu einem Markennamen zu kommen
ist die Kreation einer aussprechbaren Buchstabenkombination, Akronym
genannt.
Eine Kürzung des Firmennamens ist im Zuge besserer Vermarktung
auch möglich. Eigennamen von Firmengründern wirken auf den
Verbraucher oft wie Phantasienamen, da der Bezug zum Produkt meist völlig
fehlt.
6.2 Geographische Bezeichnungen
In manchen Fällen erscheint es dem Hersteller angebracht, den Herkunftsort
seiner Ware als Markenname anzuführen.
Die Bank Caja de Madrid, Banco de Santander Central Hispano oder das
Unternehmen SEAT, das mit seinen Modellnamen auf das Ursprungsland Spanien
hinweist (Marbella, Malaga, Ibiza). Im Falle der Uhrenmarke Swatch erfolgt
die Anspielung auf das Herkunftsland der "guten schweizer Uhren"
ganz dezent: Swiss und Watch ergeben ein Qualitätsversprechen.
"Geographische Bezeichnungen können allerding für eine
zukünftige Vermarktung auch einschränkend sein: Die Qualität
der Produktionsstätten in den neuen Bundesländern wurde zu
Beginn der Vereinigung so stark in Frage gestellt, dass es auch heute
noch Vorbehalte gibt, im Namen auf die ostdeutsche Herkunft zu verweisen."
6.3 Historische Persönlichkeiten
Wenn es sich nicht anbietet, Produktnamen von Firmengründern oder
Herstellungsorten abzuleiten, muß man nach anderen Wegen suchen,
mittels Namen das Produkt zu positionieren und gut zu verkaufen.
Bezieht man sich auf Namen von historischen Persönlichkeiten, greift
man auf allseits bekanntes und verständliches Kulturgut zurück,
mit dem jeder Konsument etwas verbinden kann.
Cäsar ist für uns der Inbegriff von Stärke, Kultur, Macht
und Reichtum, Cleopatra die Verkörperung von Weiblichkeit, Verführung
und Selbstbewusstsein. Bei der Namensgebung wird oft auf bestehende
Eigennamen von historischen Persönlichkeiten zurückgegriffen,
sei es aus den Bereichen Mythologie, Geschichte oder Kunst.
Schwierigkeiten können sich ergeben, wenn man Produkte nach bekannten
Persönlichkeiten benennt, die noch unter uns weilen. Da man nie
weiß, wie sich ihr Ansehen entwickeln und sich ihr Einfluss auf
die Vermarktung des Produkts auswirken wird, sollte man hier eher Vorsicht
walten lassen. Wir finden in den unterschiedlichsten Bereichen Beispiele:
· ANAIS ANAIS, das Parfum von Cacharel,
ist nach der persischen Liebesgöttin benannt
· NIKE stammt von der griechischen Göttin des Sieges
· MEPHISTO ist neben dem diabolischen Nebenspieler Fausts auch
eine Schuhmarke
· AURORA ist nicht nur ein Mehl, sonder gleichzeitig die römische
Göttin der Morgenröte
· SHEBA ist die englische Fassung der Königin Saba, einer
ausgesprochenen Katzenliebhaberin
· MONA LILA, eine Milka-Süßigkeit, lehnt sich an da
Vincis Meisterwerk an
Schwierigkeiten können sich ergeben, wenn
man Produkte nach bekannten Persönlichkeiten benennt, die noch
unter uns weilen. Da man nie weiß, wie sich Ansehen entwickeln
und sich ihr Einfluß auf die Vermarktung der Produkts auswirken
wird, sollte man hier eher Vorsicht walten lassen.
6.4 Zahlen in Markennamen
Benennt man ein Produkt nach dem Hersteller oder Erfinder ist es schwierig,
die nachfolgenden Modelle oder Produkte unterscheidend zu bezeichnen.
Als Qualitätsgarant bleibt dann meist der Herstellername stehen
und wird um einfache Bezeichnungen, wie beispielsweise mathematische
Ziffern ergänzt.
In der Automobilbranche charakterisieren die Ziffern die Modelle hinsichtlich
ihres Hubraumes, ihrer Größe oder ihrer Klasse innerhalb
der Produktrange. Die unterschiedlichen Hersteller haben sich auf spezifische
Bezeichnungen geeinigt, Zahlenkombinationen sind von Herstellern geschützt.
· AUDI 100, 200, A4, A6, A8
· MERCEDES 190, 200, 600, A-, C-, E- und S-Klasse
· BMW 3.16, 5.20, 7.25 usw.
Leider läßt die Nummernvielfalt selten
Rückschlüsse auf das Modell zu. Zahlen bieten im Gegensatz
zu richtigen Produktnamen kaum Identifikation- oder Assoziationspotenzial,
zudem sind sie schwer zu merken, wenn sie mehr als drei Ziffern umfassen.
7 Typologien von Markennamen
Die vorausgehenden Kapitel haben den Umfang und die Vielfalt von Markennamen,
ihrer Herkunft und Bedeutung deutlich gemacht.
Was bislang fehlt, ist ein Schema, in welches man die verschiedenen
Arten von Markennamen einordnen und somit übersichtlicher gestalten
kann. Analysiert man die Struktur aller Markennamen, so lässt sich
eine einfache, grundlegende Differenzierung vornehmen, und zwar in
· Beschreibende Namen
· Assoziative Namen
· Artifizielle Namen
Im folgenden gehe ich auf die unterschiedlichen
Namenstypen ein, erläutere ihren Anwendungsbereich sowie ihre Vor-
und Nachteile. Dabei bezieh ich mich, falls nicht abweichend zitiert,
auf die Ausführungen von GOTTA.
7.1 Beschreibende Namen
Namen dieser Kategorie sagen konkret etwas über das Produkt oder
die Produktleistung aus. Sie charakterisieren das Produkt z.B. durch
ein Substantiv wie Kinderschokolade oder durch ein Verb Wash&Go.
Diese Namen besitzen den scheinbaren Vorteil, dass sie nicht auf zusätzliche
Informationsmaßnahmen angewiesen sind. Typische Vertreter dieser
Klasse sind Produkte wie: Klare Fleischbrühe, Fruchtzauber oder
Knusperzauber. Doch welchen Wert besitzen diese Produkte ohne ihren
Absender? Was ist Knusperzauber ohne MILKA oder klare Fleischbrühe
ohne MAGGI? Die Gefahr solcher Bezeichnungen ist die, dass sie schnell
zu Sortenbezeichnungen werden und somit keine wirkliche Markenpersönlichkeit
aufbauen können. Zudem sind beschreibende Namen in internationalen
Märkten kaum veständlich und aussprechbar und bleiben so auf
den nationalen Markt beschränkt. Ein weiterer Nachteil ist, dass
sie fast immer schutzunfähig und leicht zu imitieren sind.
7.2 Assoziative Namen
Die Charakteristik assoziativer Namen besteht darin, dass es sich um
assoziative oder symbolische Bezeichnungen handelt, die mehr oder weniger
direkt das Produktkonzept vermitteln sollen. Schauma, Corny oder Brekkies
assoziieren Sanftheit, Knusprigkeit oder Knackigkeit, der Name Topas
für ein Haarshampoo vermittelt ein Gefühl von Hochwertigkeit.
Der Produktbezug wird suggeriert ohne ihn zu nennen. Diese indirekt
vermittelten Inhalte sagen auch ohne intensive Kommunikationsunterstützung
etwas aus, zudem ist der Name schutzfähig. Doch auch assoziative
Namen bergen Nachteile. Sie entstammen meist einer Begriffswelt, in
der weitere Namen existieren, die fast identische Vorstellungen hervorrufen.
Assoziative Namen zu wählen ist besonders interessant, wenn sie
in der relevanten Produktkategorie noch nicht abgegriffen sind. Beispiele
wären das Parfum Poison von DIOR oder der Accord von HONDA, bei
dem die Symbolik der Musik Pate stand.
7.3 Artifizielle Namen
Hauptmerkmal der artifiziellen Namen ist es, dass sie keinen konkreten
Sinngehalt für uns haben. Es sind Kunstwörter, die weder identisch
noch leicht abgeändert im Wörterbuch zu finden sind.
Persil, Nivea oder Axe sagen nichts über das Produkt und seinen
Verwendungszweck aus, solange kein erklärender Zusatz wie Waschmittel,
Creme oder Deodorant gegeben ist. Bei artifiziellen Namen kann man zwei
Versionen dieser Namen erkennen.
Auf der einen Seite Namen, die tatsächlich keinen konkreten Sinngehalt
haben, wie Kodak, auf der anderen Seite Namen, die einen Sinn haben,
welcher aber fast allen Verbrauchern unbekannt ist, wie zum Beispiel
Timotei (Name für eine schwedische Grassamenart). Der entscheidende
Vorteil artifizieller Namen ist der, dass sie unverwechselbar, schwierig
nachzuahmen und schutzfähig sind. Es sind Namen dieser Kategorie,
die am genauesten die Positionierung eines Produkts repräsentieren
können und am ehesten im Gedächtnis des Verbrauchers präsent
sind.
Die Einführung einer Marke mit frei erfundenem Namen ist eventuell
teuer und langwierig. Dabei ist aber auch zu beachten, daß der
Verbraucher den Namen nie isoliert, sondern immer in seinem Verwendungszusammenhang
sieht, sei es in einem Werbespot oder im Supermarkt.
Betrachtet man die Entwicklung der Namensgebung historisch, so lässt
sich sagen, dass diese fast linear vom Herstellernamen über beschreibende
bis hin zu artifiziellen Namen hin verlief.
8 Die Kreation von Markennamen
Steht ein Unternehmen nun vor der konkreten Situation, einen Namen für
ein Produkt "erfinden" zu müssen, sind viele Überlegungen
und Vorbereitungen notwendig.
8.1 Recherche
Einleitende Recherchen helfen, die Aufgabenstellung und das Problem
zu definieren und differenziert anzugehen.
8.1.1 Analyse des Markenportfolios
Große Unternehmen verfügen oft über einen Bestand an
Markennamen, die zur Zeit nicht verwendet aber trotzdem weiter geschützt
werden. Hat man sich z.B. einmal auf die Kreationsrichtlinien geeinigt,
die entsprechenden Produkte nach Tiefseefischen zu benennen, wird man
bestrebt sein, das Umfeld dieser Namen gleich mit als geschützt
eintragen zu lassen, um sich deutlich von der Konkurrenz abzusetzen.
Ein weiterer Vorteil ist der, daß das Unternehmen schnell über
einen Markennamen verfügen kann. Einige Unternehmen haben auf diese
Weise einen Markennamenbestand von mehreren tausend Namen angelegt,
in denen möglicherweise der eine oder andere Name darauf wartet,
entdeckt und veröffentlicht zu werden.
Da sorgfältig geordnete und klassifizierte Namenpools die Seltenheit
sind, ist es relativ schwierig, eine zielgerichtete Suche zu führen.
Zudem ist der "Unterhalt" eines solchen Bestandes aufgrund
der Anmeldegebühren, Recherchen etc. recht kostspielig, die in
den Markenbestand aufgenommene Marke bleibt jedoch nur fünf Jahre
geschützt, solange sie nicht genutzt wird. Danach kann jeder Außenstehende
einen Löschungsantrag stellen.
Eine Überprüfung, ob die Nutzung eines Namens aus diesem Pool
(soweit vorhanden) möglich ist, sollte in jedem Fall durchgeführt
werden.
8.1.2 Konkurrenzanalyse
Bei einem Markt, der nicht zu weit gestreut ist, kennen die Unternehmen
normalerweise die Marken ihrer Konkurrenz sowie das Feld, das sie durch
diese Namen besetzen wollen. Darüberhinaus bestehen auch Datenbanken,
die alle registrierten Marken für Produkte oder Dienstleistungen
auflisten. Dieses System stellt alle existierenden Marken dar, egal
ob diese benutzt oder (noch) nicht verwendet werden. Auf diese Weise
kann man wertvolle Informationen über zukünftige Projekte
und ihre Positionierung gewinnen, vor allem aber Projekte der Konkurrenz
antizipieren, was den Vorteil birgt, frühzeitig die Namensstrategie
der Mitbewerber erkennen zu können.
8.2 Markenimage
Bevor man sich nun endgültig daran macht, Namen zu entwickeln,
sollte man auf das genaueste festlegen, welche Kriterien der Name zu
erfüllen hat, wie er das Produkt positionieren soll, welche Werte
und Assoziationen er vermitteln, kurz welches Image durch ihn aufgebaut
werden soll. Weiterhin ist wichtig, die Einordnung in bereits bestehende
Sortimente zu berücksichtigen, ebenso wie die Zielgruppe, die Vermarktungs-
und Kommunikationsstrategie, die Corporate Identity des Unternehmens
und die der aus ihr hervorgegangenen Produkte. Festzulegen ist außerdem,
in welchen Ländern der Name eingesetzt und damit verbunden auch
sprachlich und juristisch überprüft werden soll. Am Ende dieser
vielfältigsten Überlegungen kann eine "linguistische
Charta" zur Namensentwicklung festgelegt werden: Phonetisch, morphologisch
und semantisch wird dann definiert, wie der neue Name aussehen soll.
8.3 Die kreative Arbeit
Um zu neuen Lösungen zu gelangen, können unterschiedliche
Prinzipien angewandt werden. Man unterscheidet grob in intuitiv-kreative
und systematisch-analytische Methoden. Möglichkeiten der intuitiv-kreativen
Schiene sind beispielsweise das Assoziieren und das Bilden von Analogien,
wohingegen Abstrahieren, Kombinieren und Variieren den systematisch-analytischen
Verfahren zuzurechnen sind.
Zu Beginn der Kreation ist es wichtig, möglichst viele unterschiedliche
Namensvorschläge zu sammeln und sich dabei verschiedener Techniken
zu bedienen. Quantität geht hier vor Qualität. In der Namensentwicklung
kann man sich vieler unterschiedlicher Methoden bedienen. Ich möchte
einige der geläufigsten kurz ansprechen.
8.3.1 Kreative Gruppen
Die bekannteste und gebräuchlichste Methode im Bereich der Namenskreation
besteht aus einem Meeting von fünf bis zehn Personen, "brain
storming" oder "kreative Gruppe" genannt. Diese Gruppe
besteht in der professionellen Namensfindung aus Kreativen, die aus
sehr unterschiedlichen Lebenswelten kommen. Aus der Vielfalt dieser
Persönlichkeiten und ihren Erfahrungen entspringen interessante
Konstellationen, die kreativitätsfördernd sind.
Kreativität meint in diesem Zusammenhang die Fähigkeit, in
Metaphern zu denken. Zu dem "Problem" der Namensfindung werden
möglichst viele Assoziationen geäußert und niedergeschrieben.
Dabei müssen einige Regeln beachtet werden:
· Jede Art von Kritik ist während
der Sitzung verboten
· Fremde Ideen sind aufzugreifen und weiterzuentwickeln
· Die Teilnehmer sollen ihrer Phantasie freien Lauf lassen
· Es sollen möglichst viele Ideen entwickelt werden
· Es ist unmöglich gleichzeitig kreativ und auswählend
tätig zu sein. Die Phase der Kreation und die der Auswahl müssen
streng voneinander getrennt werden.
· Die Dauer der Sitzung sollte drei Stunden nicht überschreiten
· Die Atmosphäre sollte entspannt und locker sein
Damit die Regeln eingehalten werden, sollte ein
geschulter Moderator die Leitung der Sitzung übernehmen. Er führt
die Teilnehmer des "brain-stormings" in die Welt der Produktion
ein. Dabei darf natürlich das Produkt selber nicht genannt werden,
um der Kreativität der Teilnehmer freien Lauf zu lassen.
8.3.2 Synektik
Die klassische Synektik ist ebenso wie das brain-storming zu den intuitiv-kreativen
Methoden zu rechnen.
Nachdem sich hier die Teilnehmer mit dem Problem vertraut gemacht haben,
kommt ihnen die Aufgabe zu, sich von dem Ausgangsproblem gedanklich
zu entfernen. Der Verfremdungsprozeß erfolgt schrittweise durch
die Bildung unterschiedlicher Analogien. So stößt man in
Wissensgebiete vor, die relativ weit vom Grundproblem entfernt sind.
Die dort gemachten Erfahrungen sollen dann auf das Ausgangsproblem übertragen
und kreative Lösungsmöglichkeiten entwickelt werden. Analogien
können auch in Form von "Was wäre, wenn"-Fragen
erzeugt werden. Wenn z.B. das Produkt ein Musikinstrument, ein Tier,
eine Märchenfigur wäre, dann hätte es diese und jene
Eigenschaften usw.
8.3.3 Verschiebung des Sujets
Bei dieser Methode wird die Namensrecherche in einem benachbarten, anregenden
Bereich durchgeführt, der nicht auf den ersten Blick etwas mit
dem Produkt zu tun hat, welches zunächst auch nicht erwähnt
wird.
Wenn man beispielsweise einen Computernamen sucht würde man mit
dem zwischenmenschlichen Bereich arbeiten. Mögliche Fragen wären
dann: Was bedeutet Partnerschaft, welche Gefühle stecken im Wort
Partner? Diese Methode hat den Vorteil, daß man nicht so eng am
eigentlich Produkt "kleben" bleibt und sich auf eine ungewöhnliche
Weise dem eigentlichen Problem annähert.
Systematisch-analytische Methoden können
mit ihrem logischen Schema nur bis zu einem gewissen Grad angewendet
werden. So kann man beispielsweise das Objekt im eigentlichen Sinne
des Wortes analysieren, also in seine Einzelteile zerlegen und dann
bestimmen, was das Produkt in seinem Kern ausmacht. Diese Aufschlüsselung
ist möglich nach Material, Funktionen, Zielgruppe, Verwendungszweck
usw. Die interessantesten der auf diese Weise gefundenen Begriffe werden
aufgenommen und assoziativ weiter "verarbeitet".
8.4 "Gelernte" Regeln der Namenskreation
Kehrt man den Kreativ-Techniken zur Namensfindung den Rücken, wird
man schon eher eine systematische Vorgehensweise bei der Entwicklung
von Namen finden. Dies ist der Fall, wenn bewußt auf die semantische
oder phonetische Bedeutung des Namens Rücksicht genommen wird.
Man muß auch bemerken, daß unterschiedliche Warengruppen
unterschiedliche Regeln der Warennamenbildung haben.
· Für Produkte der chemischen Industrie,
wie Medikamente und Kunststoffe werden die Namen nach der Mosaikmethode
mit Hilfe lateinisch-griechischer Bestandteile und bestimmter Endungen
gebildet, z.B. Polytherm
· Parfums tragen oft englische Wörter, die eher assoziativ
als informativ wirken, z.B. contradiction
· Persönliche Ausstattungsgegenstände erhalten oftmals
Namen, die mit Prestige und Ansehen verknüpft sind, wie z.B. Diplomat
für einen Kugelschreiber usw.
"Fast alle Kreativitätstechniken sind
für die Kreation von Markennamen anwendbar. Sie sind miteinander
zu kombinieren und können ergänzt werden durch:
· Die individuelle, unterstützende
Methode: Ein einziger Teilnehmer kreiert, und die anderen helfen ihm,
seine Gedanken zu formulieren. Natürlich wechseln die Kreativen
von Zeit zu Zeit ab.
· Identifikation: Ein Teilnehmer (oder die ganze Gruppe) identifiziert
sich mit dem Produkt und spricht in der ersten Person von ihm.
· Assoziationen von Bildern, Geräuschen: einstimmende Musik,
Beschreibung einer malerischen Szene"
8.5 Kreation mit Computerhilfe
Inwiefern stellt der Computer heutzutage ein probates Mittel dar, um
langwierige Entwicklungsarbeit von Namen zu übernehmen oder zu
vereinfachen? Die Meinungen dazu sind sehr gespalten.
Die einen bringen dem Computer naive Begeisterung entgegen und glauben
ein Mittel gefunden zu haben, welches die menschliche Gedankenkraft
völlig zu ersetzen imstande ist. Die andere Seite steht dieser
Art von Namenskreation sehr skeptisch gegenüber, hält den
Computer für "dumm" und vertritt die Ansicht, daß
solch eine Maschine niemals mit der menschlichen Kreativität konkurrieren
könne.
Beide Ansichten sind in ihrer Extremheit nicht zutreffend. Natürlich
kann kein Computer die menschliche Kreativität ersetzen, andererseits
gibt es bereits ausgefeilte Software, die die Arbeit der Namensfindung
in hohem Maße erleichtern kann.
8.5.1 Die Chancen
Der Computer führt Kombinationen mit einer Schnelligkeit und Effektivität
durch, die kein Mensch erreichen kann. Bei der Kombination von Silben,
Buchstaben oder Wörtern ist der Computer äußerst produktiv
und sicher vor Fehlern. Er kann dem Menschen die langweilige, systematische
Kombinationsarbeit abnehmen. Gibt es zu viele Kombinationsmöglichkeiten,
wählt der Computer nach dem Zufallsprinzip aus, wozu der menschliche
Geist niemals in der Lage wäre, und vermeidet es, dem alten Trott
der Gewohnheit zu folgen. Ebenso kann er bereits vorhande Ideen sortieren,
klassifizieren und speichern, so daß nichts verloren geht. Darüber
hinaus weisen solche Programme eine hohe Originalität auf, sie
treffen ihre Wahl ohne kulturelle, geistige oder psychologische Hemmnisse
und sind dabei dem engen geistigen Horizont des Menschen überlegen.
8.5.2 Die Grenzen
Der Computer kann nur mit den Mitteln arbeiten, die der Mensch ihm vorgegeben
hat. So ist er nicht fähig, seinen Rahmen zu sprengen und etwas
wirklich Neues, Innovatives in Bezug auf Form und Sinn zu liefern. Er
kann keinen Bezug zwischen dem Namen und dem Wesen des Wortes herstellen,
darum kommt es oft zu absurden, überflüssigen, weil unrelevanten
Ergebnissen. Durch die Vielzahl an möglichen Kombinationen erreicht
man Ausmaße, die nicht mehr bearbeitet oder ausgewertet werden
können. Um diese diffuse Vielfalt an Ergebnissen zu spezifizieren,
kann man den meisten Programmen bestimmte Vorgehensregeln oder Präferenzen
vorgeben. So sucht man beispielsweise, die Struktur der Worte im Vorfeld
zu definieren, man will analysieren und reproduzieren. Die Charakteristika
einer Sprache und ihre Besonderheiten können imitiert werden, Filter
können eingesetzt werden, die die Aussprechbarkeit garantieren.
So gibt es zum Beispiel die Software mit dem Namen PhäNomen, die
systematisch neue, aussprechbare Wörter mit bis zu fünf Buchstaben
erfindet. Es besteht die Möglichkeit die Suchfelder auf bestimmte
Sprachen zu konzentrieren, so daß man Kreationen erhält,
die zugleich im Deutschen, Französischen, Japanischen, Englischen
und Spanischen aussprechbar sind.
Diese "CAC", Computer Aided Creativity wird wohl nie ein völliger
Ersatz des menschlichen Erfindungsgeistes sein, der Computer vereinfacht
aber die kreative Arbeit durch seine speziellen Fähigkeiten und
Mögichkeiten und kann so als sinnvolle Ergänzung verstanden
werden.
8.6 Auswahl des Markennamens
Es wurden alle möglichen Mittel der Namenskreation eingesetzt und
die Kreativen sehen sich mit einer Liste von mehreren tausend Vorschlägen
konfrontiert. Dem Unternehmen kann man diese Vielfalt nicht zumuten.
Eine Auswahl muß getroffen werden. Wie ist nun vorzugehen, um
den "richtigen" herauszufiltern?
Anhand verschiedener Kriterien, z.B. inwiefern das Briefing-Ziel erreicht
wurde werden die Namen geprüft und eventuell verworfen, so lange
bis nur noch relativ wenige in Betracht kommen. Diese werden wiederum
auf ihre juristischen Unbedenklichkeit geprüft, d.h. ob diese Namen
schutzfähig sind. Dies ist jedoch meist nur eine Voruntersuchung,
die keine 100%ige Garantie gibt. Den Entscheidungsträgern wird
die Liste der Namen vorgelegt, die eine hohe Wahrscheinlichkeit haben,
juristisch einwandfrei zu sein. Der Aufwand der genauen Untersuchung
durch Patentanwälte, Muttersprachler und Sachverständige nach
juristischen, phonetischen, morphologischen und semantischen Aspekten
wird nur für die Namen der absoluten Endauswahl getrieben. Und
am Ende steht dann meistens eines fest: Ein neuer Markenname.
9 Die juristische Bedeutung des Markennamens
In den vorhergehenden Kapiteln wurde deutlich, welche vielschichtigen
Überlegungen angestellt werden müssen, um den Markennamen
hervorzubringen, der am besten dem Charakter des Produktes und den Zieln
des Unternehmens entspricht. Damit dieser Markenname ohne Probleme genutzt
werden kann, kommt seinem juristischen Schutz eine besondere Bedeutung
zu.
"Eingetragene Marken schützen vor der Konkurrenz und vor Markenpiraten.
Produktausstattungen und Firmennamen genießen aber nur dann vollen
rechtlichen Schut, wenn sie von vornherein juristisch richtig konzipiert
werden. Fehler bei der Markenfindung rächen sich bitter, wenn sie
erst entdeckt werden, nachdem die Marke mit viel Mühe und Geld
auf dem Markt eingeführt worden ist. Nachdem für eine Ware,
eine Dienstleistung, eine Firma oder ein Geschäft ein Name oder
ein Bildzeichen gewählt worden ist, muß geprüft werden,
ob es schutzfähig ist und ob Rechte anderer verletzt werden."
9.1 Absolute Schutzfähigkeit
Ein oft gemachter Fehler liegt darin, einen Markennamen zu wählen,
der nach dem Markengesetz nicht absolut schutzfähig ist. Die Anmeldung
einer solchen Marke beim Patentamt kann dann nicht zu einer Eintragung
und dem damit verbundenen Schutz der Marke und dem Recht der alleinigen
Benutzung führen. Im folgenden benenne ich die wichtigsten Regeln,
die einzuhalten sind, wenn rechtsbeständige Marken geschaffen werden
sollen.
9.1.1 Unterscheidungskraft
Von der Eintragung beim Patentamt sind solche Marken ausgeschlossen,
die nicht ausreichend unterscheidungskräftig sind. Die Beurteilungsgrundsätze
fehlender Unterscheidungskraft sind vielfältig.
Beispiele sind hierbei Wörter oder Bilder, die vom Verkehr lediglich
als eine die Ware, Dienstleistung oder Tätigkeit beschreibende
Bezeichnung verstanden werden und damit die Herkunftsfunktion der Marke
nicht erfüllen können. Schutzunfähig sind beispielsweise
Sand für Schleifpapier, Meisterbrille für Brillen, Sonnige
September für Wein und Goldweizen Toast für Toastbrot.
Im Gegensatz dazu sind solche Beschreibungen erlaubt, deren Inhalt ohne
konkreten Bezug zur Ware ist. Für Getränke können dann
beispielsweise Bezeichnungen aus der Musik, wie Symphonie, für
Kraftfahrzeuge Namen aus dem Lebensmittelgebiet, wie Gratin oder Vitamin
gewählt werden, da diese Gebiete weit genug voneinander entfernt
liegen.
9.1.2 Freihaltungsbedürfnis
Besteht ein berechtigtes Bedürfnis der Allgemeinheit an der Verwendung
bestimmter Angaben oder Namen, sind diese ebenfalls schutzunfähig.
Dieses Recht gilt vor allem auch für die Mitbewerber. Hiervon sind
alle Fachangaben betroffen, die zur Beschreibung der Art, des Herstellungsortes
und -zeit, der Beschaffenheit, der Bestimmung des Preises und der Mengen-
oder Gewichtsverhältnisse der Waren oder Dienstleistungen geeignet
sind.
Hiervon betroffen sind Bezeichnungen wie Märzen für Bier,
Atlanta als Herkunftsangabe, Prestige für Bekleidungsstücke
oder System als ein die Art der Herstellung betreffender Zusatz. Diese
Regel betrifft auch relativ unbekannte oder erst im Entstehen begriffene
Fachausdrücke.
9.1.3 Verkehrsdurchsetzung
"Zeichen, die an sich keine Unterscheidungskraft haben oder freihaltungsbedürftig
sind, können dennoch ausnahmsweise geschützt werden, wenn
sie sich nach intensiver Benutzung bei den beteiligten Verkehrskreisen
als individuelles Kennzeichen der Waren oder Dienstleistungen des Anmelders
durchgesetzt haben, z.B. Volkswagen oder Teekanne." Grundsätzlich
braucht man nämlich keine Eintragung beim Patentamt, um eine Kennzeichnung
verwenden zu dürfen. Es muß lediglich darauf geachtet werden,
daß man keine Rechte Dritter verletzt. Das Vorhandensein der Verkehrsdurchsetzung
wird vom Patentamt festgestellt.
9.1.4 Täuschende und irreführende Zeichen
Täuschende und irreführende Zeichen sind nicht schutzfähig,
da die Allgemeinheit davor bewahrt werden muß, unrichtige Angaben
als wahr anzunehmen. Beispiele einer Täuschung sind:
· Geographische Angaben, wenn die Ware
nicht aus dieser Gegend stammt
· Fremdsprachige Bezeichnungen, wenn die Ware nicht aus diesem
Land der Fremdsprache stammt
· Eine unzutreffende Verwendung von Titeln, wie Dr. oder Prof.
· Die Bezeichnung finest, das Beste usw. für Waren minderwertiger
Qualität
Ferner sind Wappen, Flaggen oder Zeichen internationaler
Organisationen sowie ärgerniserregende Zeichen schutzunfähig.
9.1.5 Relative Schutzfähigkeit
Hat man nun einen Markennamen gefunden, der den vorgenannten Bedingungen
entspricht, also die absolute Schutzfähigkeit erfüllt, muß
dieser weiterhin darauf überprüft werden, ob durch ihn nicht
die Rechte Dritter verletzt werden. Andernfalls kann nämlich die
Benutzung der Marke versagt und eventuell Schadensersatz gefordert werden.
Rechte Dritter sind dann zu berücksichtigen, wenn zwischen der
Marke oder dem Zeichen des Dritten und der gewählten Marke eine
Verwechslungsgefahr besteht, d.h. die Marke oder das Zeichen des Dritten
mit der gewählten neuen Marke:
· Identisch oder ähnlich ist,
· die dazugehörigen Waren oder Dienstleistungen identisch
oder ähnlich sind und
· die Marke, Markenanmeldung oder das Zeichen des Dritten älter
ist.
Die Marke gilt dann als älter, wenn sie
rechtlich vor der anderen entstanden ist. Das jüngere Zeichen muß
grundsätzlich dem älteren weichen. Vom Patentamt selbst wird
nicht geprüft, ob der neu angemeldeten Marke ältere gleiche
oder ähnliche Marken entgegenstehen, mit denen es zu Verwechslungen
kommen könnte. Diese Überprüfung der sogenannten relativen
Schutzfähigkeit ist dem nachgeschalteten Widerspruchsverfahren
vorbehalten. Der Besitzer des älteren Rechts kann nämlich
auch viele Jahre nach der Benutzungsaufnahme der jüngeren Marke
Rechte geltend machen, solch ein "später Angriff" ist
zulässig. Tritt dieser Fall ein, muß die Benutzung der jüngeren
Marke sofort eingestellt werden, was oft mit herben Verlusten verbunden
ist.
Die Rechtssprechung geht aber davon aus, daß es in der Sorgfaltspflicht
des Unternehmens liegt zu überprüfen, ob die gewählte
Marke ältere Rechte verletzt. Eine vorhergehende intensive Recherche
nach solchen Rechten Dritter ist also dringend zu empfehlen.
Gegen die Eintragung an sich kann jeder Dritte aufgrund einer eigenen
früheren Marke innerhalb von drei Monaten nach der Bekanntmachung
Widerspruch erheben. Der Widerspruch wird vom Patentamt auf seine Zulässigkeit
überprüft. Eine wesentliche Voraussetzung für die Zulässigkeit
ist, daß die ältere Marke für gleiche oder gleichartige
Waren und/oder Dienstleistungen angemeldet oder eingetragen ist. Den
Begriff "Gleichartigkeit" im zeichenrechtlichen Sinne wird
wie folgt definiert: " Danach ist Warengleichartigkeit anzunehmen,
wenn die beiderseitigen Waren ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und Verwendungsweise
nach, insbesondere hinsichtlich ihrer regelmäßigen Fabrikations-
und Verkaufsstätte so enge Berührungspunkte aufweisen, daß
beim Durchschnittskäufer die Meinung aufkommen kann, sie stammten
aus dem gleichen Geschätsbetrieb, sofern übereinstimmende
oder vermeintlich übereinstimmende Kennzeichen verwendet werden."
Daraus folgt, daß auch identische Markennamen nebeneinander existieren
können, solange die Verwechslungsgefahr nicht gegeben ist, z.B.
Quattro als Bezeichnung für Kraftfahrzeuge und für Pflastersteine.
9.2 Lebenszeit einer Marke
Der Schutz der eingetragenen Marke dauert zehn Jahre, die mit dem Tag
beginnen, der auf die Anmeldung folgt. Die Schutzdauer kann, durch Einzahlen
einer Gebühr, beliebig oft um jeweils zehn Jahre verlängert
werden. Somiet genießt die Marke theoretisch unbegrenzten Schutz.
9.3 Markenschutz im Ausland
Die Eintragung einer Marke beim Patentamt hat nicht zur Folge, daß
dieses Zeichen auch in anderen Ländern Schutz genießt. Vielmehr
muß in jedem einzelnen Land eine Markenanmeldung veranlaßt
werden. Es gibt für einige Länder die Möglichkeit einer
gemeinsamen Registrierung. Diese Gemeinschaftsmarke, die sogenannte
"International Registrierte Marke", kann beim Europäischen
Markenamt in Alicante (Spanien) angemeldet werden und gilt für
alle Länder der EU. Dies birgt den Vorteil, daß man durch
eine einzige Hinterlegung Schutz in mehreren Ländern erhalten kann.
Die IR-Marke ist danach beliebig oft um jeweils zwanzig Jahre verlängerbar.
Die in diesem Kapitel angeführten Schwierigkeiten und Gefahren
zeigen, daß es ratsam ist, bei der Entwicklung einer neuen Marke
frühzeitig einen in Markensachen spezialisierten Berater sowie
einen Patentanwalt hinzuzuziehen. Frühzeit heißt auch, daß
die Markenentwicklung mindestens ein Jahr vor Markteinführung abgeschlossen
sein sollte.
10 Die Autonomie der Marke
"Natürlich verselbständigt sich eine Marke mit der Zeit
und wird zum Inbegriff für das Produkt: Welcher APPLE-User denkt
heute noch an einen Apfel oder welcher Autofahrer an eine spanische
Frau, wenn er MERCEDES hört? Wer weiß, daß Föhn
ein warmer Wind ist und bei AEG Pate stand für einen Warmluft-Haartrockner
namens FÖN? Oder wer erkennt hinter SCIROCCO und PASSAT noch Windnamen?"
Diese Markennamen identifiziert man so stark mit dem dahinterstehenden
Produkt, daß man sie wie selbstverständlich benutzt und ihren
eigentlichen Sinn nicht mehr hinterfragt. Ein Wort wird teilweise öfter
in seiner wirtschaftlichen Bedeutung, als Marke also, als in seiner
ursprünglichen Bedeutung benutzt. Ebenso verlieren sich durch die
Benutzung manche Ideen oder Assoziationen, die für die Kreation
des Namens wesentlich waren.
10.1 Der Markenname als generischer Begriff
Der Markenname erlaubt es, Produkte oder Dienstleistungen unterscheidbar
zu machen und sie mit einem Zusatznutzen auszustatten. Deshalb ist es
besonders wichtig zu vermeiden, daß de Markenname zu einem generischen
Begriff wird, d.h. daß dieser als Name für einen bestimmten
Produkttyp (den eigenen und dem der Mitbewerber) oder eine Gattung verwendet
wird.
Beim Beispiel Tempo ist der Fall eingetreten, daß dieser Markenname
nicht nur für Papiertaschentücher mit dem Markennamen Tempo
verwandt wird, sondern für Papiertaschentücher allgemein.
Der Name ist also nicht mehr unterscheidend, da er auch die Mitbewerber
von Tempo bezeichnet, ebenso gibt er keine präzise Herkunft des
Produktes an, da es ja verschiedene Hersteller von Papiertaschentüchern
gibt. Daraus resultierend kann er auch nicht mehr als Garant für
Qualität oder Vertrauen fungieren, da unter dem Namen Tempo auch
Papiertaschentücher minderer Qualität laufen. Auf diese Weise
verliert das Produkt Teile seiner Identität.
Auf den ersten Blick erscheint es zwar schmeichelhaft, daß der
Produktname sich derartig durchgesetzt hat, im Endeffekt bedeutet es
aber nichts anderes als einen Verlust an Souveränität wie
auch einen Verlust auf juristischer Ebene. Dazu kommt noch, daß
die Mitbewerber indirekt von den Werbeanstrengungen und der Bekanntheit
der Marke profitieren. Aus diesen Gründen sollte man bei der Markenpflege
darum bemüht sein, daß sich der Markenname nicht generisch
verselbständigt. Trotz allem gibt es viele Beispiele solcher generischer
Marken. Kleenex, Tesa und UHU sind nur einige bekannte.
11 Schlußbetrachtung
Die Bedeutung des "richtigen" Markennamens für ein Produkt,
eine Dienstleistung oder ein Unternehmen wird leider auch heutzutage
immer wieder unterschätzt. Darum habe ich mich in den ersten Kapiteln
der Wichtigkeit, der Bedeutung und der Funktion von Namen und Markennamen
gewidmet und habe versucht, den prominenten Stellenwert des Markennamens
innerhalb des Konzeptes "Marke" herauszuarbeiten.
Davon ausgehend wandte ich mich dem konkreten Begriff des "Brandings"
zu, dem Prozeß der Namensgebung. Über die phonetischen und
semantischen Eigenschaften des Markennamens sowie seinen möglichen
Herkunftsarten gelangte ich in meinen Schilderungen zur Kreation von
Markennamen, den damit verbundenen nötigen Rechercheaufgaben sowie
auch möglicher Kreativtechniken. Anschließend beschäftigte
ich mich mit den juristischen Funktionen des Markennamens, die zu der
Schlußfolgerung führten, daß es nie sinnvoll sein kann,
in eine Marke zu investieren, ohne im Vorfeld überprüft zu
haben, ob sie zumindest so lange fortbestehen kann, bis sich zumindest
ihre Investitionskosten amortisiert haben.
Die Entwicklung des Namens ist sehr facettenreich, viele unterschiedliche
Faktoren spielen eine Rolle: Auf welche Weise soll das Produkt positioniert
werden, welche Funktionen und Charakteristika kommen dem Namen innerhalb
der Produktstrategie zu, was soll dieser Name vermitteln auf welchen
Märkten wird er eingesetzt? Deswegen muß die Namensentwicklung
von Anfang an auf strategischen Gesichtspunkten basieren und nicht auf
der laxen Annahme "Da wird uns schon etwas einfallen". Welche
Fehler man mit dieser Einstellung begehen kann, zeigten die vorhergehenden
Ausführungen.
Schließlich läßt sich feststellen, daß ein Name
grundsätzlich die größten Chancen hat sich durchzusetzen,
der folgende Eigenschaften auf sich vereint: Er ist auffallend, originell
für den Bereich, zeitlich und geographisch ungebunden, suggerierend
und juristisch unanfechtbar. Der Name besetzt eine Sphäre und baut
eine eigene Welt auf. Kurz gesagt: Er besitzt eine Seele.
12 Bibliographie
BRANDMEYER, Klaus: Unterwegs in Sachen Marke. Aufsätze & Vorträge
zur Markenführung. Hamburg, 1990
DOMINGUEZ, José/GARRIDO, Luis: Derecho europeo de marcas. Madrid,
1995
FERNANDEZ-NOVOA, Carlos: El sistema comunitario de marcas. Madrid, Montecorvo,
1995
GOTTA, Manfred u.a.: Brand News - Wie Namen zu Markennamen werden. Hamburg,
1988
KIRCHER, Sybille: Marken-Namen für Kids. Marketing Journal 3/98
LATOUR, Susanne: Namen machen Marken. Handbuch zur Entwicklung von Firmen-
und Produktnamen. Frankfurt/Main, 1996
VILLAR, Francisco: Jerarquía y marcas de función. Salamanca,
1989
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