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Jugendsprache Allgemein
Definition und Einleitung
Definition von Jugend
Eine Arbeit, die sich mit Jugendsprache beschäftigt, muß,
bevor sie auf Forschungsaspekte eingeht, erst einmal klären, was
Jugendsprache eigentlich ist. Eigentlich ist die Erklärung ganz
einfach: Jugendsprache ist die Sprache der Jugend. Doch diese Definition
nährt den Mythos, es gäbe eine Sprache, deren Besitzer ausschließlich
die Jugend wäre und die nur von Jugendlichen gesprochen würde.
Sprachwissenschaftler sehen Jugendsprache heute als ein komplexes sprachliches
Register. Jugendliche sprechen nicht immer die Art von Sprache, die
Erwachsene als Jugendsprache identifizieren. Eine weitere Frage wirft
diese Definition auf: Wer ist eigentlich ein Jugendlicher? Unter Jugend
versteht man im Alltagsgespräch normalerweise eine Lebensphase
zwischen Kindheit und Erwachsenenalter. Viele Soziologen und Sprachwissenschaftler
sind sich darin einig, daß mit der pubertären Lebensphase
das Kindsein aufhört und der Erwachsenenstatus erreicht ist, wenn
man ins Berufsleben einsteigt, heiratet oder Kinder bekommt, also die
soziale Reife erlangt hat. Dabei ist darauf hinzuweisen, daß in
der heutigen modernen Gesellschaft die biologische Reife der Kinder
immer mehr nach vorn, das Erreichen des Erwachsenenstatus aber oft nach
hinten rückt. Man studiert viel länger, heiratet nicht so
früh und bekommt schon gar nicht Kinder. Die soziale Verantwortung,
die die Erwachsenen tragen, wird nicht all zu früh erstrebt. In
diesem Sinne hat man es hier mit einer sehr weiten Spanne zu tun, wenn
abgegrenzt werden soll, in welchem Lebensalter die soziale Gruppe Jugend,
deren Sprache im folgenden beschrieben werden soll, genau angesiedelt
ist. Die Pubertät erreichen die meisten Jugendlichen im Lebensalter
von 13-15 Jahren, dies wird als Untergrenze dienen. Die Obergrenze wird
grob auf 30 Jahre gesetzt. Damit werden alle Jugendlichen zwischen 20
und 30 Jahren miteinbezogen, die den Erwachsenenstatus, wie vorher beschrieben
noch nicht erreicht haben. Des weiteren wird betont, daß die Jugendlichen
häufig in zwei Wertwelten leben, die zum einen durch die Eltern
und zum anderen durch die Altersgenossen geprägt werden. Diese
zwei Wertwelten könnten großen Einfluß auf die Sprache
der Jugendlichen haben. Je nachdem, mit wem die Jugendlichen kommunizieren,
wechseln sie von einem Sprachsystem in ein anderes.
Definition von Jugendsprache
Einschlägige Publikationen, in deren Titelformulierungen der Begriff
"Jugendsprache" auftaucht, treffen möglichst rasch die
Feststellung, daß es das Phänomen Jugendsprache eigentlich
gar nicht gibt. Bei aller kritischen Distanz zu diesem Begriff herrscht
dennoch weitgehend Einigkeit, daß Jugendliche einen besonderen
Sprachgebrauch pflegen, der sich von anderen unterscheidet. Die Rede
ist von Kommunikationsweisen und Sprechstilen, von jugendsprachlicher
Varietät und Generationssoziolekt. Es kommt dabei zu einer Verbindung
von gruppenspezifischen und situativ gebunden Sprechweisen. Die Jugendsprache
geht von bereits erworbenen dialektalen und soziolektalen Varietäten
aus und verändert bestimmte Teile des vorhandenen Registers. Parallel
dazu kommt es wieder je nach Geschlecht, Schicht und Region zu Unterschieden.
Die Jugendsprache bezieht sich weder auf einen sozialen Status noch
ist sie an eine bestimmte Situation gebunden. Der Ausdruck "Jugendsprache"
wie er hier verwendet wird, entspricht nicht der Sprache der jungen
Generation im Allgemeinen. Es handelt sich eher um eine zweite Varietät
derer die Jugendlichen nicht nur Gebrauch machen sondern nur in bestimmten
Situationen und für bestimmte Zwecke. Diese Sprache wird hauptsächlich
verwendet um die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe auszudrücken
und um sich gegen die Erwachsenenwelt zu stellen. Dies hat mehrere psychologische
Hintergründe. Die Jugend fühlt sich von der Gesellschaft unverstanden
und ausgeschlossen. Aus diesem Grund flüchtet sie sich in eine
andere Welt. Und zu dieser Erscheinungsform gehören neben anderen
Phänomenen, auf die ich nicht näher eingehen möchte,
auch die eigene Ausdrucksform. Eine Gruppe von Jugendlichen ist eine
unbeständige, gesellschaftliche Form, die man automatisch nach
einigen Jahren wieder verläßt. Und die Jugendsprache ist
eine Art Zweitsprache, die neben dem sonst gebrauchten Standard besteht.
Die Auffassung von Jugendsprache als Varietät ist aus zwei Gründen
problematisch. Entweder wird der Varietätenstatus a priori zugeschrieben
oder aber die Evidenz beschränkt sich auf die Auflistung einzelner
Sprachmittel, die jedoch an und für sich keine Varietät bilden,
solange keine systemhaften Zusammenhänge zwischen ihnen und ihrer
sozio - situativen Verteilung nachgewiesen werden. Von jugendsprachlichen
Varietäten kann nur dann die Rede sein, wenn Zusammenhänge
zwischen Markern aus mehreren Ebenen nachgewiesen werden. Freilich gibt
es nicht eine, sondern unbegrenzt viele Varietäten spezifischer
Jugendgruppen in spezifischen Arealen.
Jugendsprache und Standardsprache
Beginn und Entwicklung der Jugendsprache
Im Hinblick auf das Alter der Jugendlichen kann man feststellen, daß
das Phänomen "Jugendsprache" durchaus schon im Grundschulalter
beobachtet werden kann. Bereits acht- bis zehnjährige Grundschulkinder
haben eine Vorstellung von "Jugendsprache" entwickelt. Die
Sprechweise selbst weist allerdings signifikant unterschiedliche sprachliche
Merkmale und sprachliche Funktionen auf. Während der Pubertät
fangen die Jugendlichen an sich als Individuum zu entwickeln. Sie beginnen
sich mit den eigenen Gefühlen und Gedanken auseinanderzusetzen.
Der Jugendliche möchte sich anders fühlen und fängt an
sich anders zu kleiden, anders zu gehen, zu verhalten und natürlich
auch anders zu sprechen. Aber ähnlich wie der Charakter des Jugendlichen
muß sich auch seine Sprache erst entwickeln. In jüngeren
Jahren, tendieren die Jugendlichen sich nur in kurzen Sätzen auszudrücken.
Erst nachdem man sich als Individuum identifiziert hat, möchte
man auf einmal seine Phantasie in Worte ausdrücken. Hinzu kommt,
daß die jungen Menschen ihre Gefühle nicht mit jedermann
teilen. In den meisten Fällen wird eine gleichaltrige Person eingeweiht,
bei der man glaubt auf Verständnis zu treffen. Für sie ist
es sehr schwierig ihre Gedanken in Worte auszudrücken. Wenn es
nach ihnen ginge, würden sie ihr Inneres mit nur einem Satz oder
noch besser mit nur einem Wort beschreiben. Je nachdem wie etwas gesagt
wird, kann man den Grad des emotionalen Zustandes des Sprechers feststellen.
Einige Merkmale die beispielsweise auf emotionale Erregung hinweist
sind generell schnelleres Sprechen, kurze Sätze, Überbetonung
der Wörter oder starke Schwankung der Stimme beim Sprechen. Zusammen
mit diesen Merkmalen treten aber auch Handbewegungen und Gesichtsausdrücke
auf um die Aussage noch zu verstärken. Wenn sich die Jugendlichen
bei einer Aussage aber nicht ganz sicher sind, kann man mehrfache Wiederholungen
eines Wortes wie cioè erkennen. Diese Unsicherheit könnte
mit der eigenen Unfähgikeit reale Tatsachen wiederzugeben, zusammenhängen.
Jugendsprache und Erwachsene
Allgemeine Merkmale gegenüber der Erwachsenensprache
Der Sprachgebrauch der jüngeren Generation unterscheidet sich im
Vergleich zur Elterngeneration durch das Fehlen oder vermehrte Auftreten
bestimmter Varianten. So können sich für allgemein umgangssprachlich
gehaltene Phänomene als jugendtypisch erweisen, indem sie unter
Jugendlichen häufiger vorkommen als unter Erwachsenen. Die gesammelten
Untersuchungen sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung meistens
schon nicht mehr aktuell. Allerdings handelt es sich um eine oberflächliche
Instabilität. Was sich ändert sind einzelne Ausdrücke,
deren Basis nur einem sehr langsamen Wandel folgt. Viele Elemente dieser
Varietät zerfallen mit fortschreitendem Alter und bleiben nur noch
als teilweise peinliche Erinnerung in den Köpfen der Jugendlichen.
Faktisch gesehen geht es in der lexikologischen Jugendsprache um Wörter
und Ausdrücke die a) nicht zur Standardvarietät gehören,
b) in der Kommunikation Jugendlicher gewohnheitsmäßig verwendet
werden und c) teilweise auch als Auto- und Fremdstereotype des jugendlichen
Sprachverhaltens wahrgenommen werden. Darin sind nicht nur jugendspezifische,
sondern auch jugendtypische Sprachmittel eingeschlossen. Gemeinsamkeiten
von Jugendsprachen sind auf mehreren Sprachebenen zu suchen und werden
durch verschiedenartige Faktoren gefördert. Untersuchungen in verschiedenen
Sprachgemeinschaften zeigen, daß unter Jugendlichen aus ethnischen
Minderheiten neue Sprachvarietäten entstehen, die in ihrer Struktur
durch Sprachkontakterscheinungen geprägt sind und auch von Jugendlichen
der ethnischen Mehrheit bzw. in ethnisch gemischten Jugendgruppen verwendet
werden.
Eine zentrale Rolle für die Analyse von gruppenspezifischen Sprechstilen
spielt das Konzept der Bricolage. Darunter verteht man die Verknüpfung
verschiedener Sprechweisen, wobei auf die unterschiedlichsten kulturellen
Ressourcen zurückgegriffen und diese in der Kommunikation verändert
werden. Dieses Phänomen zeigt sich in Zitaten, die aus Songs, Comics,
Filmen, Fernsehserien und Werbespots in laufende Gespräche identifizierend
oder verfremdend eingebaut werden. Des weiteren kann man den Gebrauch
von verschiedenen Codes der eigenen sozialen Umwelt feststellen. Dazu
gehören nicht nur die Bestandteile des eigenen Repertoires, sondern
auch Elemente aus Sprachen oder Varietäten anderer ethnisch-sozialer
Gruppen. Jeder Code hat seine eigene sozialsymbolische Bedeutung, die
von den Jugendlichen strategisch eingesetzt wird.
Einstellung seitens Erwachsener
Insbesondere Berichte Jugendlicher über die Spracheinstellung von
Eltern und Lehrern lassen den Schluß zu, daß jugendliche
Sprechweisen auf ähnliche Weise bewertet werden. Die negative Einstellung
von Erwachsenen kann sich auf phonetisch-phonologische Merkmale, auf
den Wortschatz und insbesondere auf den Tabuwortschatz beziehen. Die
Jugendsprache wird als Konfrontation mit der genormten Sprache, die
im wesentlichen Erwachsenensprache ist, und als Abweichung von gängigen
sprachlichen Normen betrachtet. Die soziolinguistische Gemeinsamkeit
zwischen jugendlichen Ausdrucksweisen ist demnach ihre Funktion als
Mittel der Herstellung sozialer Identität, in Opposition zu Identitäten
anderer Generationen und Jugendgruppen. Während phonologische Marker
typischerweise auf die soziale Herkunft der Jugendlichen und/oder ihre
Loyalität gegenüber lokalen Normen und Traditionen verweisen,
markiert der Slang die Zugehörigkeit zu Peer-Gruppen, aber auch
zu Subkulturen mit überregionaler oder internationaler Reichweite.
Daß Erwachsene in Outgroup-Situationen häufig den interaktiv
dominanteren Part übernehmen, zeigt sich auch in ihrem Jugendsprachen-Gebrauch.
Als Ziel verfolgen sie überwiegend das Herstellen von Nähe
mit den Jugendlichen. Wenn Erwachsene konvergieren, gehen sie dabei
auf die Positionen der Jugendlichen ein. Insgesamt werden durch Erwachsene
jedoch weitaus weniger jugendsprachliche Marker realisiert als durch
Jugendliche. Die Erwachsenen folgen zudem der Tendenz, stark markierte
Jugendsprache zu meiden. Lautwörter, aber auch von der eigenen
Normallage stärker abweichende syntaktische Konstruktionen sind
im Munde Erwachsener nicht zu finden. Konvergenzangebote der erwachsenen
Interaktionspartner gelingen nur unter bestimmten sozialen Bedingungen.
Einstellung seitens Jugendlicher
Die Jugendsprachenforschung hat sich bislang auf die Kommunikation Jugendlicher
mit ihren Peers konzentriert. Trotzdem sind immer wieder Aussagen zum
Sprachgebrauch Jugendlicher erwachsenen Outsidern gegenüber zu
finden. In dieser Situation zeigt sich, ob und in welcher Weise Erwachsene
von der Jugendsprache Gebrauch machen. Die Peer-Group kreiert und verwendet
eine gemeinsame, ganz spezifische Sprechweise, die das Gefühl von
Zusammengehörigkeit erzeugt. Nach außen wirkt dieser Effekt
jedoch abgrenzend. Die Sozialpsychologie führt als Motivation für
diese Divergenz-Strategie die Aufrechterhaltung oder Steigerung des
positiven Selbstwertgefühls an, die durch eine Profilierung der
Ingroup-Sprache Außenstehenden gegenüber realisiert wird.
Da alle Interagierenden ein Bedürfnis nach sozialer Anerkennung
haben, suchen sie nach Anzeichen der Zuwendung im Verhalten anderer
ihnen gegenüber, um ihre soziale Attraktivität zu überprüfen.
Nehmen Interagierende deshalb Konvergenzbemühungen anderer wahr,
ist dies für sie ein Zeichen dafür, daß sie anerkannt
werden, da ihnen andere sprachlich entgegenkommen. Den divergierenden
Interaktionspartnern wird nicht Annäherung, sondern Abgrenzung
unterstellt. Daraus ließe sich erklären, weshalb gruppensprachliche
Marker anderer sozialer Gruppen von Außenstehenden primär
als Divergenzmarker wahrgenommen werden. Da sie nicht den vertrauten
Kommunikationsgewohnheiten entsprechen, fallen sie auf, verursachen
evt. sogar sprachliche Unsicherheit. Diese Hypothese beleuchtet auch
die Theorie von der Abgrenzungsfunktion von Jugendsprache in Outgroup-Situationen.
Ein großer Teil der befragten Jugendlichen sehen ihre Sprache
nicht als spezifische, andersartige Sprache an. Sie sind davon überzeugt,
daß sich ihr Sprachstil im Laufe der Zeit von ganz alleine ändert.
Daß sie Jugendsprache verwenden, finden die meisten völlig
in Ordnung, denn schließlich gehöre das zu einem ordnungsgemäßen
Jugendlichdasein dazu. Die Heranwachsenden betonen, die Welt sei schon
trist und spießig genug, eine lustige und nicht einheitlichen
Regeln folgende Sprache verschönere das jugendliche Miteinander,
und es grenze die eintönige Erwachsenenwelt ab, die von hinten
bis vorne durchorganisiert sei. Eine Gruppensprache wie die Jugendsprache
liefert somit sozialsymbolisch markierte Abgrenzungen gegenüber
Außenstehenden. Diese Abgrenzung erfolgt gegenüber der unverständlichen
Gesellschaft, die nach Meinung der Jugendlichen immer nur rumnervt.
Schlußfolgerung
So eindeutig die psychologische Definition von Jugend auch zu sein scheint,
sie beachtet nicht, daß Jugend in unserer heutigen Gesellschaft
einen ausgesprochen hohen Stellenwert innehat. Viele Menschen, die nicht
mehr im entwicklungspsychologischen Sinne als Jugendliche gelten, fühlen
sich jung und jugendlich, kleiden sich entsprechend und reden wie Jugendliche.
Die große Bedeutung der Jugend in unserer Gesellschaft und das
Streben nach ewiger Jugend haben, so denke ich, den Mythos Jugendsprache
geprägt. Die Menschen glauben, wenn sie die Sprache der Jugend
beherrschten, dann seien auch sie ein Teil der Jugend. Auch Menschen,
die das Jugendalter längst überschritten haben, sind in der
Lage, durch ihre Kleidung und ihre Sprache, die sie mit Hilfe der Jugendsprach-Lexika
erlernt haben, zu signalisieren: Ich bin jung! Das Problem ist nur:
es gibt keine Sprache, die nur der Jugend gehört. Jugendliche merken
sofort, daß ein Erwachsener, der meint, sich wie ein Teenie auszudrücken,
nicht zu ihnen gehört. Auf die Jugendlichen wirken diese Erwachsenen
lächerlich, weil das Gesamtbild nicht stimmt. Allerdings liegt
die Vermutung nahe, daß die jugendlich sprechenden Erwachsenen
nicht die Jugendlichen beeindrucken wollen, sondern eher andere Erwachsene.
jugendsprachliche Wörterbücher
Den Wörterbüchern kommt eine doppelte Bedeutung zu. Zum einen
dienen sie den in Medienberufen tätigen Menschen dazu, bestimmte
Wörter herauszugreifen und so Jugendliche gezielt anzusprechen.
Das Problem dabei ist, daß die Jugendsprache der Wörterbücher
keine authentische Jugendsprache ist und so die Jugendlichen schnell
merken, daß bestimmte Werber und Produkte absichtlich einen jugendlichen
Eindruck erwecken wollen. Diese Erkenntnis wirkt auf die Jugendlichen
ausgesprochen abschreckend. Zum anderen dienen Wörterbücher
der Jugendsprache Menschen, die sich ein jugendliches Image geben wollen,
als Nachschlagewerk zum Verstehen und Lernen vermeintlich jugendlicher
Ausdrücke.
Die Einträge in solchen Wörterbüchern sind erheblich
komplexer als in gängigen umgangssprachlich konnotierten Wörterbüchern.
Nach dem Lemma wird zunächst die grammatikalische Kategorie angeführt.
Jedes Lemma wird mit einer Definition samt Kollokation versehen, danach
wird der Belegbarkeitszeitraum notiert. Auch das Alter der Sprachbenutzer
wird angeführt. Ist das Wort auch im schriftsprachlichen Korpus
belegt, erfolgt in italienischen Wörterbüchern der Jugendsprache
der Eintrag scritto/parlato. Darüber hinaus werden diatopische
Differenzierungen aufgeführt.
Jugendsprache in Italien
Faktoren, die die Jugendsprache beeinflussen
Es gibt einige Umgebungen, die die Jugendsprache am meisten beeiflussen.
Der verpflichtende Schulbesuch bildet die am meisten frequentierte Umgebung.
Die Schule ist auch vom linguistischen Gesichtspunkt her, der produktivste
Bereich. Wörter für "scuola" wären zum Beispiel
caserma, galera, manicomio, conigliare für "marinare la scuola"
(Radtke 1993). Auch die Musik, vor allem der Rap, ist sehr einflußreich.
Je mehr sich die Jugendlichen mit Musik beschäftigen, vor allem
wenn sie selber Musik machen, desto reicher und interessanter wird ihre
Ausdrucksweise. Ein allgemein verbreiteter Ausdruck aus dem Rap-Bereich
wäre cocinella oder biccia für "ragazza"
(Androutsopoulos 1994). Besonders prägend ist die Absolvierung
des Militärdienstes für die männliche Jugend. Aus diesem
Bereich stammen die Ausdrücke imbranato oder frana für "militare
che sbaglia tutto" (Radtke 1993). Ein weiterer Bereich ist das
Drogenmilieu. Es beschränkt sich zwar auf eine bestimmte Gruppe
Jugendlicher, hat sich aber inzwischen in den allgemeinen Wortschatz
eingeschleust (strippare für "drogarsi" (Androutsopoulos
1994). Des weiteren wären noch die politische Ideologie und der
Sport allgemein zu nennen. Beide Bereiche sind im Leben eines Jugendlichen
von Bedeutung.
diachronischer Aspekt
Vergleicht man diese Varietät im Laufe der Zeit, kann man drei
Etappen feststellen. Man kann sich zwar über die genaue Etappengliederung
streiten, aber im Großen und Ganzen entspricht sie folgenden,
da die jeweiligen Zeiten von bestimmten Merkmalen geprägt sind.
Im Italien vor 1968 sind die treffendsten Adjektive wohl vorpolitisch
und studentisch. In den Jahren um 1968 werden hauptsächlich politisch-ideologische
Begriffe verwendet. Dazu zählen a monte di..., nella misura in
cui... und a livello di... (Radtke 1993). Nach 1968 nehmen Begriffe
aus den Bereichen der Werbung, Diskotheken und Punk-Milieus die Oberhand.
diatopischer Aspekt
Beim geographischen Vergleich berücksichtigt man die Beziehung
zwischen Nord und Süd sowie Stadt und Land. Im Norden ist die Sprache
weitaus vielfältiger als im Süden. Das Gleiche gilt für
die Stadt. Dort entwickelt sie sich um einiges schneller als am Land.
Hierbei muß allerdings zwischen großen und mittleren Städten
unterschieden werden. Die schnellere Entwicklung in größeren
Städten liegt daran, daß die einzelnen Varietäten die
ursprünglich von den Dialekten abgedeckten Funktionen überlagern.
Die Landbewohner hingegen verhalten sich den Dialekten gegenüber
eher treu. Eine diatopische Verbreitung von Neubildungen wird vor allem
durch häufige Verwendung in den Massenmedien gefördert. Beispielsweise
wird das Wort bauscia für "persona scema" nur im Süden
verwendet (Radtke 1993). Es gibt auch Ausdrücke, die sich nur auf
eine einzelne Stadt beschränken wie partito für "ubriaco"
in Pavia (Radtke 1993). Einige Beispiele für pure Regionalismen
wären ceffare für "sbagliare", lucco für "sciocco"
und miscio für "senza soldi" (Radtke 1993).
diastratischer Aspekt
Des weiteren wäre es falsch, die Herkunft der verschiedenen Jugendlichen
nicht zu beachten. Es besteht ein großer Unterschied darin, ob
ein Jugendlicher aus einer gehobenen, gebildeten Familie stammt, oder
ob seine Eltern aus der unteren Mittelschicht oder sogar aus der Unterschicht
kommen. Damit verbunden müssen auch die Realisierungsmöglichkeiten
zukünftiger Lebens- bzw. Karriereträume berücksichtigt
werden. Durch Befragungen wird deutlich, daß mit abnehmendem Sozialstatus
der Versuchspersonen die Anzahl der Dialektmerkmale steigt.
diamesischer Aspekt
Die Jugend genießt heute eine besonders wichtige Bedeutung. In
den Medien wird Jugend als die Zeit der Freiheit und Unbekümmertheit
idealisiert und mit hohen Werten versehen. Die Werbung in Zeitschriften
und Fernsehen wirbt vorwiegend mit jungen Menschen. Das Streben nach
ewiger Jugend und ewiger Schönheit prägt viele Menschen der
westlichen Industrienationen. In diesem Zusammenhang kommt der zweite
Aspekt zum Tragen. Die Menschen wollen ihre Jugend erhalten. Wie können
sie diese Entwicklungsphase so weit wie möglich nach hinten ausdehnen?
Sie versuchen, wie Jugendliche zu wirken. Dazu gehört auch der
Gebrauch der Sprache der Jugendlichen. Genau an dieser Stelle wird das
Phänomen "Mythos Jugendsprache" deutlich. Durch die zahlreichen
Publikationen zur Jugendsprache entsteht der Eindruck, als gäbe
es eine bestimmte Sprache, die alle Jugendlichen sprächen. Diese
Sprache scheint durch verschiedene Merkmale gekennzeichnet zu sein und
bestimmte Vokabeln zu haben, und man kann sie in den Wörterbüchern
nachlesen. Obwohl die meisten Menschen in irgendeiner Weise Kontakt
zu Jugendlichen haben und feststellen müßten, daß nicht
alle Jugendlichen in jeder Kommunikationssituation die in den Wörterbüchern
aufgeführten Vokabeln benutzen, bleibt der Mythos von der Sprache
der Jugend bestehen.
Wie bereits erwähnt, tragen die Massenmedien zur Formung und Stärkung
der Jugendsprache bei. In den letzten Jahren ist auch die Jugendsprache
ein häufig und affektiv thematisiertes Sprachphänomen geworden.
Die Medien planen ihren Sprachgebrauch in Übereinstimmung mit dem
ihres Publikums. Dies wird von einem Jugendlichen zum Ausdruck gebracht,
nach dessen Meinung die meisten Jugendmagazine und Fernsehserien jugendsprachliche
Ausdrücke verwenden. Zur Mediengliederung kommen zwei außersprachliche
Variablen in Frage. Erstens ihre Unterscheidung nach der sozialen Schicht
der Rezipienten. Und zweitens ihre Unterscheidung nach dem Alter, wobei
man zwischen Medien für Erwachsene und solche für Jugendliche
unterscheiden kann. Es läßt sich sagen, daß Allgemeinmedien
Jugendsprache als etwas Fremdes, Unverständliches und teilweise
Negatives darstellen, während Jugendmedien dies nicht tun. Das
Ziel der Jugendmedien ist vielmehr, aktuelle Beispiele aus einer vielfältigen
und lebendigen Sprache darzustellen. Die Jugendmagazine begrüßen
die sprachliche Kreativität der Jugendlichen und nehmen Stellung
gegen die puristischen Einstellungen mancher Linguisten oder gegen die
Alleinherrschaft der Standardsprache. Sie drücken positive Einschätzung
des Gegenstandes aus und ihre Darstellung impliziert die Nähe des
Rezipienten zu diesem. Im Gegensatz dazu wird in den Erwachsenenmedien
die Distanz des Rezipienten vom Gegenstand betont. Insgesamt scheint
der Medienkonsum eine sehr große Rolle im Leben eines durchschnittlichen
Jugendlichen zu spielen. Besonders die tagsüber auf sich allein
gestellten Kinder zeigen einen vermehrten Konsum, denn die Rundfunk-
und Fernsehmedien vermitteln durch ihre musikalischen und sonstigen
Jugendsendungen ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Heranwachsenden.
Man könnte sagen, daß die Jugendlichen als positiven Aspekt
des Fernsehkonsums die allgemeine Erweiterung des passiven und teilweise
des aktiven Wortschatzes gewinnen. Negative Auswirkungen sind in der
Ausprägung und Steigerung der Vulgarität des Schimpfwörterwissens
zu erkennen. Die Tatsache, daß sich jeder Jugendlicher ein Wissen
zu dem Thema Fernsehen angeeignet hat, schweißt sie zusammen.
diaphasischer Aspekt
Gerade der hohe Intimitätsgrad ist nicht auf die persönliche
Freundschaft beschränkt, sondern reflektiert die Intimität
der Jugendlichen mit einem spezifischen soziokulturellen Potential,
das durch Erfahrung erworben wurde. Dafür bedarf es nicht einer
ausgelassenen Stimmung, sondern eines bestimmten situativen Rahmens,
der jugendspezifische Kommunikation überhaupt zuläßt
oder sogar fördert. Der situative Rahmen wird durch selbstverwaltete
und selbstbestimmte Freizeit unter dem Aspekt der Freiwilligkeit geschaffen.
Das Prinzip der Freiwilligkeit muß aber auch den Kommunikationspartner
zugesprochen werden, man kann nicht einfach beschließen, mit einer
Jugendgruppe zu kommunizieren.
Innerhalb einer Gruppe von Jugendlichen gibt es zwar keinen Anführer
an sich, doch aber einen Diskussionsführer. Diese Diskussionen
sind zwar für die Kommunikationsziele nicht relevant, doch aber
die Hauptfunktion der Kommunikation um die Beziehung zwischen den Gruppenmitgliedern
aufrechtzuerhalten. Wichtiger als der Inhalt selber, ist die kommunikative
Situation. Wird über eher formelle Themen gesprochen wie beispielsweise
Politik, wird ein eher höheres Italienisch verwendet. Die Jugendsprache
wäre hier, auch innerhalb der Gruppe, fehl am Platz. Sobald diese
Situation aufgegeben wird, befinden sich die Jugendlichen wieder im
Normalzustand und nehmen wieder die für sie typische Ausdrucksweise
an.
Merkmale der Jugendsprache in Italien
Die Jugendsprache bildet keine eigene Sprache, sondern eine Art hybrides
Gebilde mit einem sprachlichen Grundgerüst, in das Marker, meist
auf der lexikalischen Ebene, aber auch durch besondere syntaktische
Kontruktionen oder Lautwörter, montiert werden. Dieses Gebilde
ist nicht systemhaft, sondern supplementär aufgebaut, es werden
Marker in kommunikativen Situationen gebastelt, die gerade für
jugendliche Sprecher von Bedeutung sind. Die Entlehnung von Wörtern
anderer Sprachen kommt durch den Kontakt mit diesen zustande. Die heutige
italienische Jugend sucht förmlich den internationalen Kontakt.
Italien wird als zu klein und zu wenig überregional empfunden.
In vielen Fällen dreht es sich um Modeerscheinungen, die nicht
im ursprünglichen Sinne verwendet werden.
Die Frage ob die Jugendsprache auch syntaktische Eigenheiten hat, bleibt
umstritten. Wahrscheinlich gibt es keine charakteristischen Spuren,
die allein für die Jugendsprache gültig sind. Man kann auch
annehmen, daß diese Varietät nicht über eine autonome
Syntax oder Grammatik verfügt.
rethorische Mittel
Wie bereits erwähnt, tendieren die Jugendlichen zur Trans- und
Deformation des Sprachmaterials. Diese Änderungen geschehen vorwiegend
auf fonetischer, semantischer Ebene und bezüglich der Aussprache.
Es gibt kaum Belege für die Ausprache und nur sehr wenige für
die Fonetik. Ein Beleg für die semantische Erweiterung wäre
godo für "ich bin glücklich", libidine für
"piacere" oder ciellino für "scemo" (Banfi
1992). Für eine Übertreibung wäre spacco tutto oder bestiale
angebracht (Radtke 1993). Zudem werden auch Metaphern aus den jeweiligen
Bereichen, über die gesprochen wird, verwendet wie squagliato für
"erstaunt" (Banfi 1992). Die Metapher ist das rehtorische
Mittel, das am meisten verwendet wird. Beispielsweise könnte man
unter Physikschülern oder -studenten den Ausdruck spostiamo le
sedie di pi greco, così ci vediamo tutti meglio oder ho chiuso
la finestra perché c' erano dei fotoni che davano fastidio finden
(Radtke 1993). Weitere, leichter verständliche Metaphern wären
tentacolo für "braccio", fossile für "genitori"
(Radtke 1993). Einige vor allem in der Gegend von Mailand verwendete
Metaphern sind gnomo für "tonto", blindare für "interrogare"
oder gasarsi für "esaltarsi" (Banfi 1992). In besonders
geschlossenen Gruppen kann man auch lexikalische Spiele auffinden. Bei
den einfachsten Formen ist das Ziel meist eine phonetische Angrenzung.
Jugendliche, die z.B. häufig in die Bar Alaska gehen, werden alaskisti
genannt (Radtke 1993). Auch an euphemistischen Audrücken fehlt
es nicht. Hier könnte man die Wörter impermeabile oder santissimo
nennen (Radtke 1993). Des weiteren möchte ich noch einige Beispiele
für die Synkope nennen. Hierzu zählen epa für "epatite",
prof für "professore" (Radkte 1993) oder inascoltable
für "inascoltabile" (Banfi 1992).
Ausrufewörter
Ausrufewörter spielen vor allem in Comicheften eine wichtige Rolle.
Sie sind meistens direkt neben der betroffenen Person oder Sache zu
finden. Viele von ihnen werden wegen ihrer Kürze auch in der Jugendsprache
verwendet. In diesem Bereich gibt es sehr viele Beispiele, da es zu
jedem geläufigen Geräusch auch einen Ausdruck gibt. Einige
Beispiele wären sgrunt für "Enttäuschung",
ciomp ciomp für "Kauen", dring driinn drrinn für
"Klingelläuten" oder vrom vrom für "wegfahrendes
Auto" (Banfi 1992). Ältere Generationen behaupten, daß
die heutige Jugend durch diese Comicsprache dazu tendiert, sich nicht
richtig auszudrücken.
Fremdwörter
Häufig anzutreffen sind auch Fremdwörter, vor allem aber Anglizismen.
Da die englische Sprache in vielen Bereichen dominiert, bekommen die
Jugendlichen, durch die Übernahme bestimmter Ausdrücke, das
Gefühl, anderen Menschen voraus zu sein. Zudem sind englische Wörter
meist Einsilber, was wiederum zum schnelleren Sprechrythmus beiträgt.
Dazu gehören Ausdrücke wie stoppare, punkettaro oder handicappato
(Radtke 1993). Diese Internationalität trägt dazu bei, daß
sich ein neuer Substandard bildet: die Sprache der Jugendlichen und
die der Medien. Auffällig ist auch die Verwendung von Hispanismen.
Beispielsweise andare alla playa für "andare in piazza"
oder cuccador für "bellimbusto che attrae le ragazze"
(Radtke 1993). Die Fernsehübertragung Doc-Club von Renzo Arbore
hat dieses Phänomen mit musikalischen Stücken wie "esperanza
d' Escobar" durch Nachahmung von Julio Iglesias befürwortet
und die Jugend für einige Zeit in ihren Bann gezogen. Weitere Hispanismen
wären pelo für "capelli" oder salsa für "sangue"
(Radtke 1993). Weiters kann man heute noch Spuren einer veralteten Jugendsprache
erkennen. Diese schafft es immer wieder sich für einige Zeit in
die moderne Jugendsprache einzugliedern. Ein Beispiel dafür wäre
der Ausdruck nisba für "niente" der in den 50ger Jahren
in der Jugendsprache aufgetaucht ist und im Jahre '82 für einige
Zeit in der Mailänder Jugendsprache wiederzufinden war (Radtke
1993). Weitere Beispiele für veraltete Ausdrücke wären
tacchinare für "far la corte insistentemente" oder rogare
für "marinare la scuola" (Radtke 1993).
Distanz vs. Nähe
Gegen Ende der '70ger Jahre wurde festgestellt, daß der private,
persönliche Bereich in der Linguistik sich zu einem öffentlichen
Bereich entwickelt hat. Die Intimsphäre wird linguistisch gesehen
nicht mehr als Tabu empfunden. Darunter ist zu verstehen, daß
in der Öffentlichkeit über früher tabu-gewesene Themen
gesprochen wird und daß die informelle Art der Kommunikation an
Macht gewinnt. Ein Beispiel hierfür wäre der Begriff libidine
für "geil". Er verliert seine sexuelle Konnotation und
wird zu einem übergreifenden Adjektiv für "gut, faszinierend".
Dieses Phänomen zeigt sich auch in der Tendenz Begriffe aus der
Psychologie zu verwenden. Fachausdrücke verlieren ihren spezifischen
Wert und werden zum Ausdruck einer vertraulichen Kommunikation verwendet.
Beispiele dazu wären discotecomane für jemanden der regelmäßig
in die Diskothek, è esaurito für "essere mato".
(Radtke 1993).
Affixe
Man weiß, daß es im Italienischen eine hohe Anzahl an Präffixen
und Suffixen gibt. Im Normalfall fungiert mega als erstes Element in
einer Wortzusammensetzung wie megahertz, megafono (Radtke 1993). In
der Jugendsprache kann es eine autonome Einheit darstellen. è
mega für "es ist fantastisch", megafesta für "super
Fest" (Radtke 1993). Mega zeigt Größe an und ist ein
etwas positiv-ausdrückendes Affix. Ein weiteres Affix, das in den
letzten Jahren sehr in Mode gekommen ist, ist das Suffix -aro wie es
in paninaro, metallaro, casinaro vorkommt (Radtke 1993). In unserem
Fall aber, bekommt dieser aus dem römischen Dialekt entnommene
Suffix, im nördlichen Italien eine negative Konnotation. Auf den
ersten Blick, sollte der Suffix -oso nicht unter diesen Merkmalen aufscheinen,
weil er auch im Gemeinitalienischen verwendet wird (sciccoso, malavitoso)
(Radkte 1993). Aber in der Varietät der jüngeren Generationen
wird er mit einer ironischen oder scherzhaften Konnotation verbunden
(galloso, drogolosi) (Radtke 1993).
Zudem werden Affixe aber auch häufig ausgetauscht. Dies wäre
der Fall bei malefico für "maledetto" oder stupillimo
für "stupidissimo (Banfi 1992).
Lehnwörter aus anderen Substandards
Es gibt verschiedene Basen aus denen diverse Elemente entnommen werden.
Viele Lexeme und Syntagmen entsprechen beispielsweise dem italiano colloquiale
(trogolo für "Tier" oder gattonare für "hinter
einem Mädchen her sein" ) (Radtke 1993). Weiters kann man
dialektal gefärbte Lexeme und Ausdrücke feststellen. Dies
kommt vor allem im gehobenem Bürgertum und im Proletariat kleinerer
Städte vor. Beispiele dafür wären ghignare für "lachen"
oder ncutugnare für "schlagen" (Radtke 1993). Anhand
von Beispielen kann man eine kleine Auswahl an traditionellen Ausdrücken,
die eine längere Zeit ohne geographische und lexikalische Änderung
überlebt haben, feststellen (beccare für "fragen",
toppare für "ausrutschen") (Radtke 1993). Im Gegensatz
dazu gibt es auch die neuen, innovativen Ausdrücke. Hier möchte
ich nur einige Ausdrücke aus der Drogenszene und aus dem sogenannten
gergo berlusconiano nennen. Zu ersterem wären cannato für
"exaltiert" und si è fatto una pera für "er
ist sehr lebendig" nennenswert (Radtke 1993). Zu zweiterem wäre
ruscare für "hart arbeiten" angebracht (Radtke 1993).
Die Ausdrücke aus der Werbung sind in fast allen Fällen mit
dem zu werbenden Produkt verbunden. Zum Beispiel wird jemand gefragt
ob der Pullover neu ist, weil er sich vielleicht besonders geschmeidig
anfühlt. Der Gefragte antwortet dann mit der Antwort des Werbeslogans
(È nuovo? No, lavato con Perlana.) (Radtke 1993).
Bibliographie
ANDROUTSOPOULOS, Jannis K./SCHOLZ, Arno (Hrsg.): Jugendsprache - langue
des jeunes - youth language. Linguistische und soziolinguistische Perspektiven.
Frankfurt a. Main, Peter Lang 1998
BANFI, Emanuele/SOBRERO, Alberto A. (eds.): Il linguaggio giovanile
degli anni novanta. Regole, invenzioni, gioco. Roma-Bari, Laterza 1992
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